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Kaum sind wir aus den Sommerferien zurück, stehen die Herbstferien vor der Tür. Ja, hört das denn nie auf? Nein!

Natürlich besteht nicht das gesamte Leben aus Ferien, und auch wenn die Koffer mal für ein paar Wochen in die Ecke wandern, so dreht sich das Leben fröhlich weiter. Auch im Alltag gibt es genügend Wege zu bereisen und Grenzen zu überwinden.

Bereits in meinem letzten Beitrag, Sommerzeit ist Reisezeit, habe ich Dich dazu eingeladen, gedanklich mit mir durch den Alltag zu reisen, verschiedene Barrieren kennen zu lernen und bestenfalls zu überwinden. Ich hoffe Du hast die Stiefel geschnürt, denn es gibt noch jede Menge zu entdecken.

Der Weg ist das Ziel!

Los, tauchen wir ein, in das Getümmel dieser Straße.

Beginnen wir mit einer Situation, die Dir inzwischen nicht mehr so fremd sein dürfte: das Überqueren einer Straße.
Hier gibt es sogar Ampeln, nur leider ohne akustische oder tastbare Signalgeber für blinde und sehbehinderte Menschen. Schade, es hätte so einfach sein können!

Die Farben rot und grün spielen nicht nur bei der Ampel eine wichtige Rolle. Menschen mit einer Rot-Grün-Sehschwäche - übrigens die häufigste Farbfehlsichtigkeit - können hiervon ein Liedchen singen. Da sie die Farben rot und grün nicht auseinanderhalten können, ist es ihnen nicht möglich, beispielsweise Schilder, wie das Supermarktschild im Suchbild zu erkennen.

Da, noch ein Schild. Dieses Mal nicht in rot und grün gehalten, aber verstehst Du, worauf es hinweist?
Für Menschen mit Sprach- und Lernschwierigkeiten ist "Grundstücksverkehrsgenehmigungsbehörde" wirklich nicht verständlich. Das geht auch kürzer und einfacher!

Um keine Genickstarre zu bekommen, wenden wir unseren Blick nun mal in Richtung Boden. Eine solch geriffelte Linie entlang des Fußwegs hast Du sicher schon mal gesehen … vielleicht hast Du auch schon mal darauf gestanden. Das sind so genannte Bodenleitplatten. Sie helfen blinden und sehbeeinträchtigten Menschen bei der Orientierung im Straßenverkehr, indem sie auf Richtungswechsel, Verzweigungen oder auch auf Haltestellen hinweisen. Leider finden wir hier nur auf einer Straßenseite ein solches Leitsystem. Dieses wird nun auch noch von einem Haltestellenschild und einem Mülleimer verstellt. Nicht schön … gar nicht schön.
Stell Dir vor Du machst die Augen zu und orientierst Dich an den Bodenleitplatten. Auuuuaaa! Klar, wenn Dir der Mülleimer gegen das Schienbein oder das Schild gegen die Nase knallt - und das wird es - dann tut das wirklich weh!

Bleiben wir noch kurz stehen. Stopp! Natürlich neben den Bodenleitplatten!
So kann ich noch auf einen weiteren Punkt an der Haltestelle hinweisen. Es gibt sie noch immer: Haltestellen ohne dynamische Anzeigen oder Lautsprecher, die über den Linienplan und aktuelle Änderungen informieren ... bestenfalls in leichter und verständlicher Sprache!

Puh, ganz schön viele Barrieren hier. Ich glaube, wir suchen uns langsam mal ein schönes Café, um uns etwas auszuruhen. Dafür müssen wir jedoch über die Straße, und auch ohne Ampel wird es nicht gerade einfacher … siehst Du das dunkelrote Auto? Es hat genau am abgeflachten Bordstein geparkt. Damit versperrt es uns mit Rollstuhl und Rollator den Weg. Wir müssen also wieder ein ganzes Stück zurück.

Auf dem Weg zurück, kommen wir noch einmal an der Behörde, dem grauen Gebäude vorbei. Hier kann ich noch auf eine weitere Barriere hinweisen: die Treppe.
Inwiefern die Treppe für Rollstuhlfahrer, aber auch für Familien mit Kinderwagen eine Barriere darstellt, ist womöglich allen klar. Hier haben wir aber noch ein weiteres Problem: Menschen mit vermindertem Kontrastsehen erkennen die Stufen nicht. Daher sollten sich Stufen durch eine auffällige Markierung vom Boden abheben. Ein bisschen Farbe, das heißt ein gelber Randstreifen, wäre hier nicht nur ein schöner Farbtupfer, sondern sehr hilfreich!

So, jetzt aber wirklich genug. Ich kann keine Barrieren mehr sehen. Hahaha.
Zu früh gefreut … möglicherweise ist da doch noch eine … nein, keine Stufen ins Café, keine zu schmale Tür, durch die der Rollstuhl nicht passt. Nein, wir werden auch hier, wie beim Supermarkt, darauf hingewiesen, dass Hunden der Zutritt verboten ist. Mein Lieschen ist ja aber nicht irgendein Hund. Lieschen ist ein ganz besonderer Hund, ein Ausnahmehund. So wie mein Lieschen frisst … Quatsch, ich meine Lieschen ist ein Blindenführhund! Ja und, Hund ist Hund. Nicht ganz: Auch wenn es einigen Inhabern von Supermärkten, Lebensmittelgeschäften oder Restaurants nicht bekannt ist, laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist Blinden- und Assistenzhunden entsprechend des Diskriminierungsverbotes der Zutritt zu Verkaufsräumen gestattet.
Nach etwas Aufklärung ist nun also auch uns, samt Lieschen, der Zutritt ins Café möglich. Keine Stufen halten uns auf. Geschafft!

Ankommen ist auch ganz schön!

Das Thema Barrierefreiheit ist viel zu umfangreich, um es auf unserer kleinen Reise umfassend zu erkunden. Ich hoffe jedoch, Du kannst einige neue Eindrücke für dich mitnehmen. So beispielsweise, dass das sperrige Thema Barrierefreiheit im Alltag auch manchmal durch Kleinigkeiten und ein wenig Aufmerksamkeit erreicht werden kann … und zwar für vielmehr Menschen, als man zunächst glauben mag. Es braucht keine Behinderung, um von Barrieren behindert zu werden. Treppen beispielsweise erschweren Familien mit Kinderwagen den Alltag erheblich; und schwere Sprache macht ihn auch nicht leichter. Denken wir an Bürokratendeutsch - da hilft es auch nicht unbedingt Muttersprachler zu sein.

Der Weg ist das Ziel, aber ankommen ist auch ganz schön!
Komm gut in und durch den Oktober. Ende des Monats liest Du wieder von mir. Natürlich freue ich mich aber auch in der Zwischenzeit über deine Erfahrungen, Fragen und Wünsche für weitere Beiträge in den Kommentaren!

 Freiheit, Spontanität und Datenschutz

 

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, und es ist noch nicht einmal Frühling. Es ist Ende Februar und während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich im Café, nein ich sitze vor dem Café und genieße strahlenden Sonnenschein. Ob das mit den knapp 20° Celsius nun gut oder richtig ist, so Ende Februar, das sei mal dahingestellt. Schön ist es aber schon!

 

Gefühl von Freiheit

Ja, es ist schön, so mit offener Jacke in der Sonne zu sitzen und sich den warmen Wind um die Nase wehen zu lassen. Das alleine ist es jedoch nicht, was bei mir das Gefühl von Freiheit hervorruft. Vielmehr ist es die Tatsache, dass ich meinem Bedürfnis danach in der Sonne zu sitzen so spontan nachgehen konnte - und das ist nicht selbstverständlich. Abgesehen davon, dass auch ich an verschiedene Termine und Verpflichtungen gebunden bin und mich deshalb nicht immer rund um die Uhr nach Belieben in der Sonne, im Café oder Park herumtreiben kann; Spontanität und Blindheit kriegt man nicht immer so einfach unter einen Hut.

Klar, in meinem gewohnten Umfeld bewege ich mich weitestgehend selbstständig. Als ich vor knapp zwölf Jahren nach Halle zog, absolvierte ich ein sogenanntes Orientierungs- und Mobilitätstraining. Dabei habe ich die für mich wichtigsten Wege gelernt - wo genau befindet sich das Café, der Bäcker, die Straßenbahnhaltestelle und woran kann ich mich auf dem Weg dorthin orientieren. In den Folgejahren kamen immer neue Wege hinzu und so wurde mein Halle immer größer, wenngleich es noch immer verhältnismäßig klein ist. Hin und wieder kann es sogar passieren, dass mein Halle auch wieder in sich zusammenschrumpft. Beispielsweise wenn mal wieder eine Baustelle den Weg versperrt und ich nicht hindurch oder darum herum finde. Dann können sich meine Stadtgrenzen ganz schnell auch wieder verschieben. Glücklicherweise habe ich meinen Blindenführhund Lisa. Sie findet Wege, die mir früher mit dem Blindenstock verborgen blieben.

Das Gefühl von Freiheit, die Mobilität, die es mir ermöglicht spontan ein Café aufzusuchen oder einen Spaziergang in der Sonne zu machen, habe ich ganz sicher meinem Lieschen zu verdanken. Lieschen in Kombination mit einer speziell für blinde Menschen entwickelte Navigations-App ist insbesondere in mir fremden Umgebungen noch besser als das Gefühl von Sonne auf der Haut. Freiheit!

Die Blindheit lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren. Natürlich stoße ich auch hin und wieder an meine Grenzen. Glücklicherweise gibt es für solche Situationen inzwischen einige tolle Angebote. So bieten beispielsweise verschiedene Verkehrsunternehmen einen Begleitservice an, häufig sogar von Tür zu Tür. Nicht nur mobilitätseingeschränkte Menschen, auch Kinder können so sicher zu einem Wunschort begleitet werden. Diese Hilfeleistung muss natürlich angemeldet werden, am besten einige Tage im Voraus. Gut, das ist dann nicht sehr spontan, aber hilfreich allemal.

 

Grenzen der Freiheit

… und so kann es dann laufen. Erst vergangenes Wochenende war ich in einer mir fremden Stadt zu Besuch und hatte einen Tagesausflug in der Umgebung geplant. Einziger Knackpunkt stellte der Umstieg an einer U-Bahnstation dar. Zwar würde ich mich nicht als sehr ängstlich beschreiben, doch sobald Gleise in der Nähe sind bin ich nicht mehr ganz so entspannt. Hinzu kommt, dass ich als Kleinstadtpflanze - sorry Halle - mit der U-Bahn nicht sehr vertraut bin. Also habe ich mir im Internet die Telefonnummer des Begleitservices der Verkehrsgesellschaft in eben dieser Stadt rausgesucht. Mit bedauern erklärte mir der nette Man am anderen Ende des Telefons, dass ich zunächst ein Formular ausfüllen müsste. Sie müssten ja Daten von mir speichern - Datenschutz! Dieses Formular muss per Post zur Verkehrsgesellschaft geschickt werden und erst dann, nach etwa zwei Wochen, kann ich eine Hilfeleistung anmelden. Zwar weiß ich nach über zwanzig Jahren Blindheit, dass viele Unternehmungen mit etwas vorausschauender Organisation verbunden sind, so lange im Voraus habe ich dann aber doch nicht geplant. Also umplanen, Umweg über den Hauptbahnhof und dank Umsteigehilfe durch die Bahnhofsmission hat dann doch noch alles geklappt - und meine Daten sind auch geschützt!

 

Auch bei der Deutschen Bahn sind Leistungen des Mobilitätsservices zum 01. Februar wieder unter einer dicken Eisschicht verschwunden. Hilfeleistungen beim Ein-, Aus- und Umstieg werden hier künftig auch wieder abenteuerlicher, und das alles während wir 10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention feiern - Inklusion, Teilhabe und Selbstbestimmung. Happy Birthday Gefühl der Freiheit!

 

Hast Du noch Fragen, Kritik oder Anregungen zu diesem Beitrag? Über einen Austausch freue ich mich sehr!

 

 

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!?

 

Verschwitzte, durchtrainierte Männerkörper - genau das interessiert mich, interessiert mich nicht, interessiert mich. Welche Bilder ich nun auch immer erzeugt haben mag - nein, das interessiert mich wirklich nicht, jedenfalls nicht beim Handball oder Fußball. Das Spiel hingegen interessiert mich schon. Ich mag den Kampf ums nächste Tor, die Atmosphäre in der Arena und auch zuhause fiebere ich mit, wenn es um Punkte, die Europa- oder gar Weltmeisterschaft geht. So habe ich auch in diesem Monat mit den Herren der deutschen Nationalmannschaft bei der Handball WM mitgefiebert. Dank der akustischen Bildbeschreibung oder auch Live-Audiodeskription ein echtes Erlebnis!

 

Die Stimme aus dem Nichts

Wer schon einmal ausversehen über die Fernbedienung des Fernsehers den Tonkanal gewechselt hat, weiß worüber ich hier schreibe. Dem ist sie nämlich schon begegnet, die Stimme aus dem Nichts. Man nennt dies auch akustische Bildbeschreibung oder Audiodeskription.

Immer mehr Filme werden inzwischen mit Audiodeskription gesendet. Nicht nur im Fernsehen, auch im Kino kann man über eine App auf dem Smartphone immer häufiger der akustischen Bildbeschreibung lauschen.

Zugegeben, bei Filmen verzichte ich gerne auf die Audiodeskription. Ich finde, dass auch durch Schweigen oder alleine die Hintergrundgeräusche viel vermittelt wird. Mir persönlich geht durch die Stimme aus dem Nichts ein wenig die Atmosphäre des Films verloren. Dies ist jedoch mein ganz eigenes Empfinden und ich nehme damit bewusst in Kauf, dass mir das ein oder andere im Film auch entgeht. Bei Sportübertragungen oder in der Arena selbst bin ich hingegen ein großer Fan von Live-Audiodeskription.

 

Spannend, spannender, Sport mit live-Audiodeskription

Schon als Kind ging ich mit meinem Vater ins Stadion oder verfolgte die Spiele vor der Flimmerkiste. Als die Bilder vor meinem Auge immer mehr verschwommen, sank die Spannungskurve rapide. Ich entdeckte die Radioübertragung für mich

Im vergangenen Jahr erlebte ich dann erstmals in der Arena in Leipzig ein Handballspiel mit Live-Audiodeskription. Alleine die Atmosphäre in der Arena ist ein Besuch wert, doch mit dem Knopf im Ohr und den großartigen Blindenreportern vor Ort verfolgte ich vor meinem inneren Auge jeden Spielzug.

Dank der Live-Audiodeskription in der Arena oder auch bei Sportübertragungen am heimischen Fernseher weiß ich inzwischen genau welcher Spieler den Ball hat, diesen verspielt oder durch welch großartige Parade des Torhüters ein Tor verhindert wurde - und dann geht alles ganz schnell: Tooooor!

All diese Informationen in kürzester Zeit in Worte zu fassen, das ist die hohe Kunst der Live-Audiodeskription!

 

Ob beim Sport, im Kino, auch im Theater oder vor dem heimischen Fernseher gibt es immer häufiger das Angebot der akustischen Bildbeschreibung. Ich finde, dies ist eine großartige Entwicklung.

Während der Handball WM vor wenigen Tagen erlebte ich jedoch einen kleinen Dämpfer.

Sorry, ich muss am Ende dieses Beitrags noch einmal zurückkommen auf die verschwitzten, durchtrainierten Männerkörper. Liebe ARD, wenn ich mich hierfür interessiere, dann wähle ich andere Formate als eine Sportübertragung. Die Beschreibung der Haarfarbe, Frisur und wem wann genau die verschwitzten Haare ins Gesicht hängen, das ist nicht im Sinne des Erfinders der Audiodeskription. Viel mehr Spannung gibt’s hier auf die Ohren:

Youtube Link AWO-Passgenau T_OHR

Danke an AWO-PASSGENAU / T_OHR für das Video!

 

Über Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen zum Thema Audiodeskription in den Kommentaren freue ich mich sehr!

 

Mehr Meer oder Ostseh

 

Die Sonne brennt seit Wochen vom Himmel und selbst nachts kühlt es kaum mehr ab. Da kommt man schon mal auf solch einen geistreichen Titel. Aber tatsächlich geht es in diesem Beitrag um die Ostsee, genauer um meinen ersten Kurztrip alleine mit meinem Blindenführhund Lisa.

Mein Urlaub ist für September bereits gebucht, daher war dieser Kurztrip übers Wochenende nicht geplant. Bis September ist es aber noch so lange hin. Ich sehne mich nach einer kleinen Auszeit, Sonne und Salz auf der Haut und am Montag habe ich frei. Also los geht's!

Zugegeben, ganz so lässig bin ich diesen spontanen Kurztrip nicht angegangen, denn auch wenn dies nun wirklich nicht meine erste Reise war, so war es dennoch eine Premiere. Bisher hatte ich mich immer spätestens am Urlaubsort mit Familie, Freunden oder einer Reisegruppe getroffen. Aber ich hatte diesen Plan alleine an die Ostsee zu fahren vorsorglich schon so vielen Leuten erzählt, dass ich kaum mehr zurück konnte. Letzte Rettung: im Hotel ist kein Zimmer mehr frei, schließlich ist Hauptsaison.

Montagabend, ich höre das Freizeichen und rechne nicht wirklich damit, dass noch ein Hotelmitarbeiter abnimmt. Das ging schon mal schief. Das Zimmer von Freitag bis Montag ist nun also reserviert.

Meine Bedenken?

Was soll schon passieren, der Zug weiß wohin er muss. Ich muss mich nur reinsetzen und ich habe eine Umsteigehilfe beantragt. Na gut, für Büchen gab es keine Umsteigehilfe, aber in gut 20 Minuten sollte ich mich ja wohl durchfragen können. Dass der Zugbegleiter mit einem blinden Fahrgast überfordert war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen. Dank einer Verspätung von gut 30 Minuten hatte ich dann aber mehr als genügend Zeit.

Auch bezüglich des Hotels hatte ich keine großen Bedenken. Ich habe mich für ein AURA-Hotel entschieden. AURA-Hotels sind speziell auf die Bedürfnisse ihrer blinden und sehbehinderten Gäste eingerichtet. Die Zimmernummern sind taktil erfassbar, die Willkommens-Mappe auf dem Zimmer mit allen wichtigen Informationen liegt unter anderem in Brailleschrift aus, und am Buffet sind die Mitarbeiter des Hauses behilflich. Auch begleitete Ausflüge werden angeboten - diesbezüglich war es aber im Vorfeld sehr schwierig Informationen zu bekommen, und genau hier lagen meine größten Bedenken. Was, wenn ich nun zwei Tage im Hotel sitze. So schön das Hotel auch sein mag mit seinem Garten und den lauschigen Sitzplätzen, meine freien Tage möchte ich nicht im Hotel verbringen.

Aber gut, was hatte ich zu verlieren? Selbst wenn es so käme, wenn ich es nicht ausprobiere, weiß ich es nicht.

Und so war es dann wirklich: Großartig!

Dank meinem Blindenführhund Lisa, einer super Navigations-App und zahlreichen lustigen, netten und hilfsbereiten Begegnungen war dieser erste Kurztrip alleine ein voller Erfolg.

Schon beim Umsteigen in Büchen traf ich die ersten hilfsbereiten Mitreisenden, und das zog sich wie ein roter Faden durch die weiteren Tage. Auch am Hundestrand hatte ich das Gefühl, dass alle mit nach Lieschen schauten, und mit zwei netten Frauen ging's nach dem Badespaß noch in die Strandbar.

Den Weg zum Hundestrand, unweit vom Hotel, zeigte mir eine Hotelmitarbeiterin. Die einzige Herausforderung auf diesem Weg bestand darin, die Abzweigung von der Strandpromenade zum Hotel zu finden, ansonsten ging es ja auf der Promenade immer nur gerade aus. Für die richtige Abzweigung hatte ich Lieschen und um noch entspannter sein zu können, hatte ich mir am Vorabend der Reise noch eine Navigations-App geleistet. Diese App wurde gemeinsam mit blinden Menschen entwickelt und bisher hörte ich nur Gutes. Zurecht!

Bei einer kleinen Pause ließen wir uns auf der Seebrücke den Wind um die Nase wehen und meine neue App sagte mir, welche Cafes, Restaurants, Hotels, Sehenswürdigkeiten etc. sich in meiner Nähren Umgebung befinden. Ich suchte mir ein Café aus, das laut seiner Homepage bereits Udo Lindenberg und Franz Beckenbauer zu Gast hatte. Da durften Lieschen und ich ja wohl nicht fehlen. Also Navi neu eingestellt und los ging's.

Ab ging's auch nach Travemünde. Ich hatte am Samstagvormittag noch die Gelegenheit an einem begleiteten Ausflug des Hotels zur Travemünder Woche teilzunehmen. So konnte ich in zwei Tagen Ostsee diesen Ausflug, etwa 13 km auf der Strandpromenade, drei Mal Hundestrand, ein Café-Besuch und absolute Entspannung genießen.

Auf der Nordmole in Travemünde mit Segelbooten im Hintergrund
Nordmole in Travemünde 2018

Dies war garantiert nicht meine letzte Reise alleine mit Hund. Hast Du ähnliche Erfahrungen oder Tipps für Reiseziele, die sich für einen Kurztrip eignen, dann freue ich mich über einen Kommentar!