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Anfang des Monats stolperte ich im Magazin "Sichtweisen" des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands e. V. (DBSV) über einen Beitrag von Gabi und Ihre Leidenschaft: Blindenbaseball. Ja, während die einen über Beiträge stolpern, spielen andere längst blind Baseball. Aber warum auch nicht, es gibt ja auch Blindenfußball und hier hat es ein Tor in der Sportschau bereits zum Tor des Monats geschafft.
Ich sag ja immer, wenn man etwas möchte, sollte man sich nicht aufhalten lassen. Doch wenn man von etwas keine Ahnung hat, darf man auch ruhig mal die Klappe halten. Daher freue ich mich sehr, dass ich den Beitrag von Gabi mit ihrer Zustimmung sowie der "Sichtweisen" heute hier noch einmal veröffentlichen darf.

Play Ball - los geht's!

Obwohl Baseball in Deutschland eher eine unbekannte Sportart ist, hat Blindenbaseball mich sofort in seinen Bann geschlagen. Vor allem loszurennen, wenn es heißt „Play Ball!" und der von mir geschlagene Klingelball der verteidigenden Mannschaft zufliegt, ist ein befreiendes Gefühl.

Ich spiele nun schon etwas mehr als vier Jahre für die Bavarian Bats, dem blinden Team der Freising Grizzlies. Unsere Spielerinnen und Spieler sind zwischen 25 und 45 Jahre alt. Frauen und Männer spielen in gemischten Teams. Da alle während des Spiels eine Augenbinde tragen, sind zwischen den blinden und sehbehinderten Spielern die Voraussetzungen angeglichen. Wir treffen uns normalerweise etwa jeden zweiten Sonntag und reisen dafür aus ganz Bayern nach Freising oder Regensburg. Im Winter trainieren wir einzelne Spielzüge in einer Halle. Aber das Training war wegen des Lockdowns im letzten Winter leider nicht möglich.
Bevor ich mit Baseball angefangen habe, hatte ich mich schon in ein paar anderen Sportarten versucht. Aber die vielfältige Kombination aus Koordination und Bewegung und auch der Mannschaftsaspekt beim Baseball gefallen mir besonders.

Schnupper-Workshops für Neulinge

Die Spielregeln klingen komplizierter, als sie es in Wirklichkeit sind. Das werden alle merken, wenn sie Baseball erst einmal ausprobieren. Bei meinem Verein bekommen Neugierige dazu auch Gelegenheit, da wir in Freising und Regensburg auch Schnupper-Workshops veranstalten.

Ich versuche einmal, die Spielregeln ein wenig zu erläutern: Ein Team besteht aus fünf Spielern, die mit Augenbinde spielen, und einem sehenden Fänger.
Wenn ich nun als Teil der angreifenden Mannschaft den Ball weit genug mit dem Baseballschläger aus meiner anderen Hand geschlagen habe, versucht die verteidigende, also die gegnerische Mannschaft, ihn zu fangen und zu ihrem sehenden Fänger zu werfen. Währenddessen renne ich um die erste piepende Base. Dann versuche ich, die rettende zweite Base zu erreichen, bevor der Klingelball den sehenden Fänger der verteidigenden Mannschaft erreicht. Denn nur, wenn ich die zweite Base berührt habe, bevor der Fänger den Ball gefangen hat, bleibe ich im Spiel.
Eine Base ist eine Station auf dem Teil des Spielfeldes, den der Läufer umrunden muss. An der zweiten und dritten Base steht jeweils ein Trainer, der mit Klappern die Position der Base und meine Entfernung dazu zeigt. Ebenso geht es dann, während mein Mitspieler einen Ball schlägt und selbst zur zweiten Base läuft, für mich zur dritten. Einen Punkt für das Team gibt es aber erst dann, wenn man es geschafft hat, ohne dauerndes akustisches Signal von der dritten Base nach Hause, also wieder zum Startpunkt zu laufen. Einige Meter blind einfach nur geradeaus zu laufen, ist manchmal schwieriger, als man sich das vorstellt.
Nach einem Inning (Spielabschnitt) tauschen die angreifenden und verteidigenden Mannschaften ihre Positionen. In der Verteidigung kommt es nicht mehr auf gezieltes Schlagen des Balles und schnelles Laufen an, sondern das Gehör ist entscheidend, da man den Ball, den die angreifende Mannschaft geschlagen hat, genau orten, fangen und aufnehmen muss. Und das auch, wenn der Ball liegengeblieben ist und kein Geräusch mehr von sich gibt.

Geringes Verletzungsrisiko

Der größte Unterschied zum Baseball für Sehende besteht darin, dass der Schlagmann oder die Schlagfrau den Ball mit einem Baseballschläger aus der eigenen Hand schlägt und nicht einen ihm zugeworfenen Ball treffen muss.

Beim Baseball besteht nur ein geringes Verletzungspotenzial. Das Spielfeld und die Regeln sind so gestaltet, dass Kollisionen weitgehend ausgeschlossen sind und das Verletzungsrisiko vermindert wird. ►

Als mich mein Freundeskreis überredet hat, doch einmal in Blindenbase-ball reinzuschnuppern, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass es mir so viel Spaß machen würde, dass ich bereit bin, eine beinahe zweieinhalbstündige Anreise dafür in Kauf zu nehmen. Ich wohne nämlich in Nürnberg und trainiere in Freising.
Aber der Zusammenhalt des Teams und das gemeinsame Sport-Treiben an der frischen Luft sind ein Garant für Glücksmomente. Und wenn es einmal im Training nicht so läuft und ich den Baseballschläger am liebsten von mir werfen würde, gibt es immer einen Mitspieler oder Coach, der Tipps auf Lager hat und mich aufmuntert.
Nicht zu vergessen sind natürlich die interessanten Begegnungen mit den Spielern anderer Länder. Beispielsweise waren die Bats 2018 in Kuba, wo Baseball allgemein und auch Blindenbaseball viel beliebter sind als hierzulande. In Italien gibt es sogar eine Blindenbaseball-Liga.

Hoffnung auf Turniere 2022

2020 hätte zum zehnten Mal der Mole Cup, ein internationales Turnier blinder Baseballer und Baseballerinnen, in Freising stattfinden sollen. Aber Corona hat nicht nur die Trainingsmöglichkeiten eingeschränkt, sondern auch die Spiele verhindert oder aufgeschoben. Gern hätten wir gegen Mannschaften aus Italien, Frankreich, England, Kuba, Pakistan oder den USA gespielt. Wir hoffen, dass das 2022 wieder möglich sein wird.

Momentan sind die Bavarian Bats das einzige Blindenbaseball-Team in Deutschland. Ein zweites Team in Regensburg befindet sich im Aufbau. Auch Kontakte nach Stuttgart und Berlin wurden schon geknüpft.
Ich würde mich natürlich über mehr Teams in Deutschland freuen, um öfter zu spielen. Aber momentan freue ich mich einfach nur auf die Außensaison, wenn wir das Training wieder aufnehmen können und es heißt: „Play Ball!"

Nun melde ich, Nadine, mich doch noch einmal zu Wort. Denn auf den folgenden Link muss ich unbedingt noch verweisen:
www.blindenbaseball.de
Hier erfährst du mehr über Blindenbaseball. Außerdem gibt es gleich auf der Startseite einen interessanten Hörbeitrag, der einem den Sport noch einmal akustisch näher bringt.

Mein heutiger Beitrag lässt sich mit dem Slogan "Spannung, Spiel und Schokolade" zusammenfassen. Also, alles was man für einen guten Spieleabend braucht. Die Schokolade ist selbsterklärend; aber was macht einen spannenden Spieleabend aus?
Spielregel Nummer Eins: Wie im echten Leben, habe ich die Karten gerne selbst in der Hand. Spiele, bei denen ich also eher als schmückendes Beiwerk daneben sitze und mir alles von meinen sehenden Mitspielern erklären und vorlesen lassen muss, finde ich eher mau. Daher möchte ich heute gerne einen kleinen Einblick in die bunte Welt der Spiele geben, an denen auch ich Freude habe.

Mau-Mau

Nicht nur die Rolle als schmückendes Beiwerk, auch klassische Kartenspiele finde ich eher etwas mau. Dabei gibt es so einen Pack Karten in Großdruck oder eben auch mit taktiler Beschriftung schon für relativ kleines Geld und war lange Zeit mein einziges brauchbares, also barrierefreies Spiel … okay neben dem Würfelbecher mit den taktilen Würfeln.

Aber bleiben wir doch noch kurz bei den Kartenspielen. Sobald Bube, Dame, König, Ass durch Black Stories ersetzt werden, bin ich ganz bestimmt mit von der Partie.
Bewundernswert, wer diese rätselhaften Geschichten aus dem Gedächtnis zaubern kann. Ich brauche hierfür die Karten, die es aber auch längst in Brailleschrift gibt.
Meine größte Leidenschaft gehört jedoch dem Wissens-Quiz. Läuft eine Quiz-Sendung im Fernsehen, bin ich meist nicht weit; auch wenn ich hier darauf angewiesen bin, dass mir die Fragen und alle Antwortmöglichkeiten vorgelesen werden … da drück ich aber mal beide Augen zu.

Wer weiß denn so was?

So wie ich mich in der Regel darauf verlassen kann, dass der Quizmaster im Fernsehen alles vorliest, hatte ich es auch bei Quiz-Apps erwartet. Also, Fragen in Textform und Antwortalternativen, die die Sprachausgabe meines Smartphones vorlesen. Quiz-Apps scheinen aber meist grafisch so aufgemotzt zu sein, dass ich beziehungsweise meine Sprachausgabe auf dem Smartphone keine Chance hat. Aber wie heißt es in der Spielersprache so schön: Mensch ärgere dich nicht!
Inzwischen habe ich auch tatsächlich eine brauchbare Quiz-App und seither läuft der Akku meines Smartphones heiß.

Geld oder Liebe?

Um den Akku meines Smartphones aber nicht zu sehr zu strapazieren, muss in so manch langer Spielenacht mein Schatz herhalten. . Dann geht es um das ganz große Geld und starke Nerven.

Monopoly-Spielbrett mit Aktionskarten und Geldscheinen mit Schwarz- und Brailleschrift beschriftet sowie zwei taktilen Würfeln

Bei meinem Monopoly sind die Straßen fühlbar umrandet und zusätzlich mit Brailleschrift versehen, ebenso wie die Aktionskarten und das Geld. Also, alles prima, zumindest wenn man der englischen Sprache einigermaßen mächtig ist. Das taktile Monopoly-Spiel gibt es nämlich nur in der englischen Version.
Außerdem muss man für solche Brettspiele etwas tiefer in die Tasche greifen, weshalb ich dringend dazu rate, sich einen Mitspieler zu suchen, der gut verlieren kann.

In diesem Sinne wünsche ich spannende Abende und, dass der Wonnemonat Mai für uns alle ein voller Erfolg wird!

Samstagnachmittag, mitten im Lockdown … ein ausgiebiges Frühstück liegt hinter mir, was nun? Ich habe mich für eine weitere Runde unter der Decke mit meinem Lieblings-Reise-Podcast entschieden; und während ich mich so wegträume … es geht gerade mit dem Cabrio quer durch die USA … habe ich die Idee für diesen Beitrag: Wie komme ich eigentlich so von A nach B?

Wenn ich "ich" schreibe, dann gehört da natürlich auch immer Lieschen, mein Blindenführhund dazu. Sie begleitet mich nicht nur im Alltag, sondern auch auf Reisen. Schließlich soll sie bei all der Arbeit, auch mal ein wenig Landluft, Meeresprise und große weite Welt schnuppern. Da müssen wir ja aber irgendwie hin … Cabrio scheidet aus. Wir bevorzugen den Zug und alle paar Jahre, je nach Reiseziel auch mal das Flugzeug … ja, Lieschens Motto beim Reisen: Nur Fliegen ist schöner. Aber dazu gleich mehr.

Travelling with Deutsche Bahn

Ich weiß, dass mich viele Menschen dafür bewundern, wie ich das alles mache ... jetzt fährt sie auch noch Zug. An dieser Stelle muss ich jetzt wohl gestehen: Ich fahr mit dem Zug. Den Zug fährt ein ausgebildeter Lokführer oder eben auch eine ausgebildete Lokführerin. Ich muss mich im Grunde nur reinsetzen und selbst dabei bekomme ich Hilfe.

Die Deutsche Bahn bietet einen Mobilitätsservice an, über welchen man per Telefon oder E-Mail bequem Fahrkarten zwei kostenlose Sitzplatzreservierungen und eine Ein- und Umsteigehilfe bestellen kann. Das ist eine prima Sache. So müssen wir eigentlich nur 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges … planmäßiger Abfahrt des Zuges versteht sich … am Servicepoint des entsprechenden Bahnhofs sein. Von dort werden wir zum Zug begleitet und egal ob umgekehrte Wagenreihung oder nicht, im Handumdrehen sitzen wir auf bzw. unter unseren reservierten Plätzen und die Reise kann beginnen.
Ebenso komfortabel funktioniert es in der Regel auch beim Um- und Ausstieg … man erwartet uns bereits am Bahnsteig und begleitet uns zum nächsten Wunschziel.

Wenn ich einen Bahnhof kenne, kann ich mich dort aber auch relativ gut alleine zurechtfinden. Die meisten Bahnhöfe sind inzwischen mit Leitlinien, erhabenen Linien am Boden ausgestattet, die beispielsweise vom Eingang zu den Bahnsteigen führen. Außerdem findet man inzwischen häufig an den Treppenaufgängen zu den Bahnsteigen eine Beschriftung in Punktschrift zu welchem Gleis dieser Aufgang führt.
Ich muss jedoch gestehen, dass ich auch an bekannten Bahnhöfen immer lieber auf Nummer Sicher gehe und mir eine Ein- und Umsteigehilfe bestelle; ist stressfreier … eben wegen der bereits angesprochenen umgekehrten Wagenreihung oder für den Fall, dass der Zug doch mal auf einem anderen Gleis einfährt. Das Leben ist halt keine Hochglanzbroschüre.

Über den Wolken

Beim Fliegen läuft es im Grunde ebenso wie mit dem Zug. Auch hier gibt es Hilfe am Flughafen, beim Einchecken, bei der Gepäckaufgabe und -annahme und man wird direkt bis zum Platz im Flugzeug begleitet … das Beste aus meiner Sicht aber: Man wird direkt vom Platz auch wieder abgeholt. So kann man also wirklich nicht verloren gehen, während man am Bahnhof durchaus mal am Bahnsteig stehen kann und vergeblich darauf wartet, dass jemand kommt, der einem zum nächsten Zug begleitet.
Lieschen und ich sind uns in diesem Punkt also einig: Nur Fliegen ist schöner ... wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Glücklicherweise ist meine vierbeinige Reisebegleiterin insgesamt sehr unkompliziert und macht alles mit. Beim Start hebt sie kurz mal den Kopf; ansonsten liegt sie aber ruhig im Fußraum und wartet nur darauf, dass sie eine der Stewardessen entdeckt. Dann ist ihr nämlich deren Aufmerksamkeit gewiss und im Grunde braucht Lisa auch nicht mehr. Das heißt natürlich brauchen wir vorab die Zustimmung der Airline, dass sie auch mitfliegen darf. Das ist aber eigentlich kein Problem, wenn man den Führhund gleich beim Ticketkauf mit anmeldet. Bei einer Fluggesellschaft bekam sie sogar ihr eigenes Flugticket, ausgestelt auf Miss Guide Dog Wettstein.

Bevor mich jetzt die Reiselust aber vollkommen packt, schnüre ich die Winterstiefel und genieße mit Lieschen ein wenig die Hallenser Winterlandschaft zu Fuß; dann erwartet mich provenzalisches Backofengemüse und ein Glas spanischer Rotwein … auch dir wünsche ich die ein oder andere Reise des kleinen Mannes. So kommen wir hoffentlich gesund und munter durch den Lockdown.

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Ob Weihnachtsgans oder Kartoffelsalat, auch in diesem verrückten Jahr 2020 war zum Weihnachtsfest auf eines Verlass: Liebe geht durch den Magen. Also, auch wenn in diesem Jahr das oberste Gebot hieß Abstand von den Lieben halten, so blieb doch eine feste Konstante zum Fest der prall gefüllte Kühlschrank. Doch wie auch in den Jahren zuvor flogen aus dem Kühlschrank keine gebratenen Enten ... die Leckereien wollten vor der festlichen Völlerei erst noch zubereitet werden.

Lange schon möchte ich über das Thema Kochen schreiben. Schließlich habe ich für ein gutes Essen einiges übrig. Doch was soll ich darüber nur schreiben? Außer, dass bei mir das Auge nicht mitkocht, unterscheidet sich das Kochen bei mir … so meine ich jedenfalls … nicht wesentlich von dem was so manch Sehender am Herd tut. Aber warum sollte es auch?

Mein Grundrezept …

Ich nehme für eine warme Mahlzeit gerne Ideen aus dem Internet … klar, kennst du schon, dafür hab ich den Screenreader auf dem PC oder Smartphone, der mir alles vorliest.
Manchmal halte ich mich dann an ein einziges Rezept, ich mixe Rezepte oder wandle sie etwas ab und dann geht's los.

Ich sollte vielleicht vorausschicken: Ich koche, ich backe nicht, denn meine abgespeckte Variante zu Kochen verträgt sich vermutlich mit Kuchen und Co. nicht so gut. Nein, ich will nicht sagen, dass ich an Butter oder Sahne spare, wenn das Gericht es verlangt. Aber ich spare eindeutig an Hilfsmitteln.
Bevor ich Butter mit einer taktilen Küchenwaage abwiege oder Wein in einen taktilen Messbecher gieße, habe ich mit mehr oder auch weniger Gefühl bereits näherungsweise eine Menge abgeschätzt und untergerührt.

Meinem Gefühl hilft allenfalls mal ein Kaffeebecher auf die Sprünge, da ich ja weiß, dass dort so etwa 200 ml reinpassen … manchmal ist es ja vielleicht aber auch egal ob es 200 ml sind, da will ich einfach, dass zumindest die Verhältnisse der Zutaten zueinander ungefähr stimmen. War mein Gefühl nicht angemessen, lässt sich dies meist korrigieren und im schlimmsten Fall gewinne ich an Erfahrung. Wobei, ich behaupte jetzt einfach mal, so wirklich ungenießbar war es noch nie … und über so einen versalzenen Reis kann man sich ja auch einfach mal freuen. Ist er doch ein Zeichen dafür, dass ich verliebt bin.

Manchmal bediene ich mich aber tatsächlich an kleineren Tricks. So habe ich beispielsweise vor kurzem erst gelernt, dass man beim Kartoffelschälen Reste der Schale erfühlen kann, wenn man die geschälte Kartoffel mit Wasser abspült. Darüber hat sich mein Kartoffelstampf mindestens so sehr gefreut wie ich.

Auch für den zielsicheren Griff zu den "Chillischoten feuerscharf" habe ich gesorgt. Alle Gewürze und Zutaten, die nicht ohnehin schon in charakteristischen Verpackungen stecken, habe ich eine Beschriftung in Blindenschrift verpasst; und manchmal hilft auch eine App auf dem Smartphone, welche den Barcode scannt oder mir den Aufdruck auf der Verpackung vorliest. Also, so ein bisschen Struktur verträgt auch mein kreatives Chaos.

Nachschlag …

Jetzt muss man aber auch ganz ehrlich noch hinzufügen, dass diese abgespeckte Variante des Kochens eindeutig etwas mit mir als Typ zu tun hat … also unabhängig davon ob ich sehen kann oder nicht. Ich lebe regelmäßig mit kleineren Brandverletzungen von Herd und Ofen ganz gut, werde mich aber wohl nie daran gewöhnen, mir Ofenhandschuhe zurechtzulegen; genauer: daran zu denken mir diese zurecht zu legen, dies dann auch tatsächlich zu tun und mir dann auch noch über zu streifen, bevor ich einfach nur mal kurz die Auflaufform aus dem Backofen hole.

Und trotz allem bin ich immer wieder begeistert, wenn ich mir die Kataloge von Hilfsmittelfirmen anschaue, was es da alles an praktischen Helfern gibt. Nur warum sollten sie meine Schränke füllen, wenn ich sie doch nicht benutze. Aber einen Blick in die Online-Kataloge kannich tatsächlich nur empfehlen und vielleicht findet sich da ja auch mal ein Geschenk für die Oma mit den alternden Augen, mit der man hoffentlich bald mal wieder zusammen Plätzchen backen kann. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Kochen, eine ordentliche Portion Gesundheit für den Jahreswechsel und jede Menge Gelegenheiten im neuen Jahr wieder gemeinsam mit den Lieben zu schlemmen!

P.S. Wer Tipps für die oben angesprochenen Hilfsmittelkataloge möchte, kann mich gerne kontaktieren.

Als ich heute mit Lieschen, meinem Blindenführhund Gassi war, hatte ich seit langem mal wieder eine gefrorene Winternase … und da in der klarenWinterkälte konnte ich es genau riechen … es lag in der Luft, das neue Thema für den Novemberbeitrag: Skifahren.

Egal ob Abfahrt oder Langlauf, als Pistenschreck oder auf einer einsamen finnischen Loipe, Skifahren ist vielleicht keine Sportart, die ich sehr häufig ausübe, dafür immer wieder mit großer Begeisterung. Doch wie? Das verrate ich heute.

Auf die Bretter, fertig, los!

Als etwa Zehnjährige stand ich zum ersten Mal auf Skiern. Damals noch sehend. Drei, vier Jahre später ließ das Sehen aber schon deutlich nach, die Lust auf das Skifahren nicht.
Meine Eltern, die bis dato noch nicht für Winterurlaub zu erwärmen waren, kauften sich selbst Skier und machten sich klar für die Piste. Im Falle meines Vaters hieß dies, dass er sich einen schicken neonfarbenen Skianzug überstreifte und … sagen wir mal mutig … die Pisten hinabwedelte. Also, ganz nach dem Motto: Runter kommen sie alle. Und ja, wir kamen auch runter. Er wie beschrieben voraus und ich konnte mich wunderbar an seinem extravaganten Skioverall orientieren.
So ging es ein paar Jahre gut, bis dann der neonfarbene Overall auch keine Lösung mehr war … nein, nicht weil mein Vater herausgewachsen wäre, sondern weil ich irgendwann einfach nix mehr sah, auch nicht mehr das schreiende neongelb. Doch so viel Zeit verging nicht und ich erfuhr von einem Skiverein in Marburg, der Skireisen für blinde und sehbehinderte Skihasen anbot.

Wenig später stand ich also in Südtirol auf dem Berg, auf Skiern, blind und an meiner Seite ein erfahrener Begleitläufer, der dafür sorgte, dass ich und die anderen Wintersportler um uns herum sicher an ihr Ziel kamen.
Mit Kommandos wie Rechts! und Links!, Halt! Und wenn es dringender war mit Stopp! Ging's die Pisten hinab … manchmal auch mit kleineren Umwegen, die an all den Tannenadeln auf meinem Windstopper ersichtlich waren. Also, solltest du einmal beobachten, dass ein Skifahrer den einzigen Baum auf der Piste umarmt, dann ist das bestimmt ein blinder Skifahrer … und in dem Fall war das wirklich nicht ich. Davon hab ich nur gehört. Ehrlich! Ich hab immer nur die Tannen am Pistenrand mitgenommen.

Kommando Einkehrschwung

Also, wie funktioniert das nun mit dem Begleitläufer und den Kommandos?
In meinem Fall war es tatsächlich so, dass der Begleitläufer hinter mir fuhr und mit "Und" den nächsten Schwung ankündigte. Rief er also "Und" machte ich mich für den nächsten Schwung bereit, nämlich bei "Und rechts!" nach rechts … da wo der Daumen links ist … und umgekehrt. Bei "Halt!" konnte ich den Schwung zu Ende fahren und "Stopp!" war das klare Kommando für sofortiges Stehenbleiben. Bevor es aber so eine Piste hinab ging, wurde auch häufig noch das Gelände beschrieben, also ist die Piste auf einer Seite eher abfallend, stark befahren oder gerade völlig frei. In letzterem Fall konnte ich manchmal auch meinen Fahrkünsten völlig freien Lauf lassen … bis der Begleitläufer eben wieder eingriff.

In den letzten Jahren entdeckte ich allerdings Skilanglauf für mich. Also das gleiche in Weiß, nur mit Loipe zur Orientierung. Sagen wir besser zur groben Orientierung, denn bei einer rasanten Schussfahrt kann man so eine Loipe auch mal verlieren … woher ich das nun wieder weiß?

Ich fahre auf Langlaufskiern durch einen schneebedeckten Nadelwald.

Ob bei einer rasanten Abfahrt, beim Skilanglauf oder auch beim Après Ski, wie auch immer du die nahenden Feiertage verbringst. Die Zeit draußen, an einem klaren kalten Wintertag wird uns sicher allen gut tun. In diesem Sinne: Bleib oder werde ganz schnell wieder gesund und hab fröhliche Weihnachten!

Als Einstieg in meinen letzten Beitrag Käse, Kaffee und Co. - So kommen sie in meinen Kühlschrank wählte ich die gerade angebrochene Fastenzeit. Das war vor einem Monat. Inzwischen ist das Fasten dem Hamstern von haltbaren Lebensmitteln und Toilettenpapier gewichen. Während langsam also viele Kühl- und Vorratsschränke aus allen Nähten platzen dürften, herrscht in unseren Terminkalendern gähnende Leere. Der Corona-Virus hat unser Leben fest im Griff.
Lange habe ich überlegt, ob nun auch ich noch etwas darüber schreiben soll, und wenn ja, was. Da ich in diesem Blog ja aber über mein Leben schreibe, gehört auch mein Umgang mit dieser aktuellen Herausforderung dazu. Hier nun also mein ganz persönliches Rezept.

Bittere Pillen schlucken!

Es gibt Situationen im Leben, die kann man nicht ändern. Das ist keine faule Ausrede, eher ein Fakt.
Weder kann ich etwas an der Tatsache ändern, dass ich blind bin, noch an der Existenz des Corona-Virus. Angesichts dessen, dass solche Pillen wirklich bitter schmecken können, gilt es diese möglichst schnell zu schlucken. Es stellt sich also nicht die Frage ob, sondern wie man damit umgeht.

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie scheint das "Wie" auch schnell beantwortet zu sein: Zuhause bleiben und physische Kontakte zu anderen Menschen meiden! Da ich bei den Gassi-Runden mit meinem Blindenführhund immer mal wieder den Eindruck habe, dass die Verwunderung einem blinden Menschen zu begegnen größer ist als die Sorge einer eventuellen Ansteckung, nehme ich dies auch sehr ernst. Lebensmittel lasse ich mir also liefern und versuche als Reha-Ausbilderin meine Teilnehmer während der Heimlernphase so gut wie möglich zu unterstützen.

Bitterer Nachgeschmack?

Na klar, auch ich hatte ein Leben vor Corona. Auch ich hatte Pläne und Vorhaben auf die ich mich gefreut habe. Am 01. April sollte meine jährliche Veranstaltung "Arbeit und Inklusion" mit Diskussionsrunde und Rahmenprogramm stattfinden - kein Scherz. Die wesentlichen Vorbereitungen hierfür waren abgeschlossen und die Einladungen verschickt. Das heißt ich hatte bereits jede Menge Arbeit investiert und mich auf die Veranstaltung, aber auch auf die Zeit danach gefreut: Osterferien, Frühling, Sommer. Ich wollte mal wieder zu einem Handballspiel, in netter Gesellschaft ein Käffchen oder ein Bier trinken. Auch die Vorfreude auf den geplanten Sommerurlaub Anfang Juni wuchs wöchentlich. Stopp! Auch wenn die Pille bitter war, muss ich den Nachgeschmack ja nicht auch noch künstlich in die Länge ziehen.

Nachspülen und genießen!

Die Vorratsschränke sind voll, es dürfte jetzt also nicht so schwer sein, etwas zu finden, womit sich der bittere Nachgeschmack verdrängen lässt. Bei mir liegt Schokolade ganz oben. Übertroffen wird sie aber durch die Tatsache, dass bisher weder ich noch meine Familie oder Freunde infiziert sind. Die Nachrichten aus den Nachbarländern tragen ihr Übriges dazu bei, dass ich derzeit wirklich gerne zu Hause bleibe.

Um mein Leben dann auch noch mit einem Zuckerrand zu versehen, muss ich mich nicht zwingend kopfüber aus dem Haus stürzen. Auch zu Hause gilt: Ich brauche eine sinnvolle Aufgabe. Die Möglichkeit, mich im Homeoffice nützlich zu machen, trägt daher sehr zu meinem Wohlbefinden bei; und auch wenn noch nichts spruchreif ist, für die nahenden Osterferien habe ich auch wieder Pläne. Möglichkeiten wie über diese Engagement-Plattform gibt es inzwischen ja einige:
https://engagiert-in-halle.de/

Die Reiselust stille ich mit meinem Lieblings-Podcast und ansonsten gilt so wie so immer: Ich umgebe mich vorwiegend mit Menschen, die mir gut tun. Ob übers Telefon, die sozialen Netzwerke, Messenger-Dienste, die Möglichkeiten sind so vielfältig wie noch nie.
Freunde, für die im Alltag häufig viel zu wenig Zeit bleibt, fragen wie es einem geht; und neulich rief sogar ein WG-Mitbewohner aus Abi-Zeiten an, mit dem ich seither keinen Kontakt mehr hatte. Auch wenn wir unsere Telefonnummern bereits seit mehreren Monaten über einen gemeinsamen Freund ausgetauscht hatten, hat es nicht geklappt. Absicht? Nein, man ist einfach immer sehr beschäftigt. Will sagen, auch in Zeiten von "social distancing" ist ganz viel soziale Nähe möglich!

Verbunden mit dem Wunsch, dass auch du ganz viel soziale Nähe erfährst und gesund durch diese Zeit kommst, hier noch mein Lieblingsfoto 2020.Foto: geöffnetes PaketDieses Paket mit Hundefutter, Dosenwurst aus eigener Schlachtung und einem mit Liebe gebackenen Nusskuchen erhielt ich vor wenigen Tagen von meinen Eltern. Die Rolle Toilettenpapier, die als Füllmaterial zum Schutz des begehrten Inhalts diente, zauberte außerdem ein breites Grinsen auf mein Gesicht.

Wenn du weitere Tipps hast, die uns die Zeit zu Hause versüßen, teile diese gerne in den Kommentaren!

Blind Date mit den Tierchen, die nachts die Kleider enger nähen - Lösung: Shoppen!

Weihnachten ist vorbei, die letzten Silvester-Knaller verraucht … wir schreiben das Jahr 2020 und auch die Anzeige der Personenwaage geht mit der Zeit. Will sagen, sie ist nicht stehen geblieben. Ach was schreibe ich, Du weißt doch sicher was ich meine. Braten, Lebkuchen und Glühwein haben wir auf unseren Hüften erfolgreich ins neue Jahr gerettet. Wir? Ja, wir … also viele von uns. Umsonst liest und hört man derzeit nicht überall Diät-Tipps. Stopp! Ich habe eine andere Lösung.
Pünktlich zum neuen Jahr flatterte bei mir nicht nur der erste Diät-Tipp per Spam-Mail ins Haus, sondern auch der Jahresbonus für das Klamottengeschäft meines Vertrauens. Aber wie mache ich das nun mit all den Farben, Schnitten …?

Grün und Blau schmückt die Sau!

Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wird ist, wie ich das mit dem Anziehen mache, ob ich mir Farben vorstellen kann. Zunächst einmal ja, ich konnte bis zu meinem 18. Lebensjahr mehr oder weniger gut sehen, zumindest Farben konnte ich erkennen und ich habe eine Vorstellung von Rot, Gelb, Grün und von einem Regenbogen. Auch unter einer Tomate, Himbeere oder Brombeere kann ich mir noch etwas vorstellen. Bei all den Farbabstufungen wird es dann aber tatsächlich schwer bis unmöglich. Da darf ich mich dann nicht zu sehr verbeißen, sonst explodieren all die Farben in meinem Kopf.

Auch von Farbkombinationen, von denen man früher immer sagte das geht nicht, verabschiede ich mich nur langsam. Die Farben muss ich dann vor meinem inneren Auge erst einmal eine Weile auf mich wirken lassen. Manches finde ich dann richtig gut, an manches gewöhne ich mich aber auch nicht - ich glaube das ist dann das, was man persönlichen Geschmack nennt. Eine Verkäuferin meinte einmal: "Sie wissen aber ganz genau was Sie wollen." Na klar, warum auch nicht. Persönlichen Geschmack oder persönlichen Stil legt man ja nicht mit dem Augenlicht ab. Es wird manchmal eben nur etwas schwerer ihn umzusetzen oder zu verfeinern, da man Details nicht einfach irgendwo mal sieht, sondern auf Informationen von Familie und Freunden oder den Medien angewiesen ist.

Entscheidend beim Shoppen ist für mich also zunächst einmal, dass ich jemanden habe, der oder die mir die Farben der Klamotten gut beschreibt. Glücklicherweise arbeitet im Klamottenladen meines Vertrauens eine Verkäuferin, die das wirklich gut beherrscht. Sie weiß auch, welche Farben ich nicht mag und sie sagt mir auch ganz ehrlich, wenn mir eine Farbe nicht steht. Außerdem kennt sie den Inhalt meines Kleiderschranks inzwischen ganz gut - hat sie in den vergangenen Jahren ja tatkräftig mitgeholfen ihn zu bestücken. Das war zum einen sicher geschäftstüchtig, aber auch zu meinem Vorteil, denn so bekomme ich auch immer wieder Tipps womit ich mein neu ergattertes Lieblingsteil gut kombinieren kann. Das ist dann schon einmal mehr als die halbe Miete.

Mein Körper spricht mit mir!

Ist die Farbfrage geklärt, übernimmt den Rest das Körpergefühl. Ich steige also in die Hose, ziehe mir das Oberteil über und höre dann auf mein Körpergefühl. Wenn es sagt: Ja, das bist Du, dann ist eigentlich alles klar. Natürlich bin ich schon so eitel, dass ich mir dann noch mal das optische Okay der Verkäuferin hole, aber in der Regel stimmt das schon mit meinem Gefühl überein. Umgekehrt funktioniert es allerdings nicht. Fühle ich mich verkleidet oder unwohl, kann der optische Eindruck noch so positiv sein - dieses Kleidungsstück wird nicht in meinen Kleiderschrank einziehen.

Bei Schuhen ist es nicht viel anders. Angucken, also ertasten, anziehen und auf mein Gefühl hören. In manchen Schuhen habe ich dann beispielsweise sofort das Gefühl, dass sie mich strecken - bei 1,58 Metern Körpergröße ein nicht ganz unangenehmes Gefühl und entsprechend ein nicht unerhebliches Kaufkriterium.
Manchmal bringe ich auch das zuvor erstandene Kleidungsstück mit und frage nach einem passenden Schuh.

Sollte jetzt der Eindruck entstanden sein, dass ich gerne Shoppen gehe, dann stimmt dies nicht ganz. Lieber gehe ich mit meinem Hund ins Grüne oder in den Delikatessenladen um die Ecke - und am liebsten genau in dieser Reihenfolge. Wie ich nun an all die Leckereien komme, wie ich also meinen Lebensmitteleinkauf organisiere, davon berichte ich beim nächsten Mal.

Fragen, Tipps und Anregungen zum Shoppen sowie all den anderen Themen des Lebens, kannst Du mir wie immer gerne in den Kommentaren hinterlassen.





Bilder sprechen lassen!

Bilder sagen mehr als tausend Worte, und das ist ja auch der Grund, weshalb wir sie beispielsweise in sozialen Netzwerken und über Messenger-Dienste so gerne teilen. Das süße Hunde-Foto, die spektakuläre Aussicht oder das Silvestermenü - das muss man einfach gesehen haben!
Nein, nicht unbedingt. Bilder muss man nicht zwingend sehen, man kann sie auch hören. Hören? Pssst, wenn Du mal gaaanz leise bist ...
Okay, ganz so einfach funktioniert es natürlich nicht. Sie sprechen nicht von selbst. Wir müssen sie sprechen lassen.

Trauriges nachdenkliches Gesicht

Die meisten Fotos, die in den sozialen Netzwerken, also beispielsweise bei Facebook geteilt werden, sprechen leider nicht mit mir. Egal, ob süßes Hunde-Foto, spektakuläre Aussicht oder Silvestermenü, meine Sprachausgabe sagt meist nur: "Keine Fotobeschreibung verfügbar“.
Dies liegt daran, dass der Screenreader, also die Software, die den Bildschirm ausliest und mir in Sprache oder Brailleschrift wiedergibt, nur Text erkennt.
Doch Vorsicht, wenn ein Text abfotografiert wurde, so ist dies letztendlich auch nur ein Bild. Die schön gestaltete Menükarte, die Dir das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, hinterlässt bei mir auch nur Fragezeichen. In diesem Fall verrät mir meine Sprachausgabe nämlich auch nur: "Bild könnte enthalten Text" … genau hierin liegt aber auch die Lösung.

Grinsendes Gesicht mit zusammengekniffenen Augen

Emojis, wie das traurige, nachdenkliche Gesicht oder das grinsende Gesicht mit zusammengekniffenen Augen, werden mir von der Sprachausgabe vorgelesen … sie sprechen mit mir. Auch deine Fotos können das, und zwar mit Hilfe des so genannten Alternativtextes.

Wenn Du also beispielsweise bei Facebook ein Foto teilst, klicke einfach auf Foto bearbeiten und dann auf Alternativtext. Hier gibst Du eine kurze Bildbeschreibung ein und fertig. Ein grinsendes, zumindest aber ein lächelndes Gesicht meinerseits ist Dir sicher, denn ab sofort heißt es nicht mehr "Keine Fotobeschreibung verfügbar".
Hin und wieder kommt es auch vor, dass bereits automatisch ein Alternativtext erstellt wurde. Wenn also ein Programm im Hintergrund dein Silvestermenü als Essen erkennt, steht im Eingabefeld für den Alternativtext bereits "Essen", und meine Sprachausgabe verrät mir: "Foto enthält Essen". Wenn Dir diese Beschreibung nicht genügt, kannst Du den Alternativtext auch jederzeit ändern oder ergänzen. Doch mach es nicht zu kompliziert … und keine Scheu, eine kurze Beschreibung ist besser als keine!

Nun also ran an den Speck, fotografieren, hochladen, Alternativtext einfügen … Happy New Year!

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Wir stecken wieder einmal mitten drin, im November-Grau. Nebel vermindert die Sicht und das nass-kalte Wetter schlägt aufs Gemüt. Stopp! Kein Grund zu verzweifeln, ich weiß da was … und in Sachen schlechter Sicht kenne ich mich ja schließlich aus. Also pass auf: wir holen uns jetzt beide eine Tasse mit einem duftenden Heißgetränk und wahlweise auch ein oder zwei Kekse. Damit ab auf die Couch, unter eine kuschelige Decke und gaaanz tief eintauchen in eine berührende Geschichte.

Schon als Kind liebte ich Geschichten. Von Astrid Lindgrens "Kinder von Bullerbü" und "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler konnte ich nicht genug bekommen; na klar, und "Die kleine Raupe Nimmersatt". Diese Bücher stehen noch heute in meinem Regal. Schöne Kindheitserinnerungen, die mich sehr berührt haben.

Einfühlsam dank Louis!

Die Begeisterung, sich in fantastische Geschichten einzufühlen, in historische Romane oder in Krimis einzutauchen, ist mir geblieben. Nur heute fühle ich noch einmal auf eine ganz andere Art: ich ertaste sie Punkt für Punkt. Daher nennen wir diese Schrift auch Punktschrift, Blindenschrift oder nach ihrem Entwickler Louis Braille: Brailleschrift.

Sicher hast Du solch eine Ansammlung von Punkten schon einmal gesehen und dich vermutlich gefragt, wie man daraus eine Geschichte oder sonst einen sinnvollen Text ertasten kann. Geht, dank Louis Braille. Aus nur sechs Punkten entwickelte er ein System, mit dem sich jeder Buchstabe des Alphabets und noch viele weitere Zeichen darstellen lassen. Stell dir einfach einen Eierkarton für sechs Eier vor. Du hast jetzt also jeweils zwei Eier nebeneinander und drei Eier untereinander. Je nachdem welche Eier du nun entnimmst, erzeugst du einen Buchstaben, ein Satzzeichen oder auch eine Kombination mehrerer Buchstaben. Es gibt nämlich nicht die eine Blindenschrift. Wir unterscheiden eine Basisschrift, eine Vollschrift, eine Kurzschrift, Computerbraille oder beispielsweise auch eine Schrift für Mathe, eine Notenschrift für Musiknoten ... nur Sesambrötchen folgen keiner Systematik und liefern daher auch leider keine Kurzgeschichten.

Ich will es nicht zu kompliziert machen. Daher nur so viel: In der Basisschrift bildet jede Kombination aus den zuvor genannten sechs Eiern, also Punkten, einen Buchstaben ab. Die meisten Bücher in Brailleschrift sind jedoch in Kurzschrift gedruckt. Hier werden Lautgruppen, Silben oder auch ganze Worte durch nur ein oder zwei Zeichen dargestellt. Das Wort Blindenschrift beispielsweise besteht aus nur fünf Zeichen. Damit erhöht sich dann auch, jedenfalls nach intensivem Üben, die Lesegeschwindigkeit. Klar, fünf Zeichen sind mit dem Finger schneller erfasst als 14 Zeichen - so viele Buchstaben hat das Wort Blindenschrift nämlich.

Wenn Du einmal sehen möchtest, wie dein Name in Brailleschrift aussieht, dann schau mal hier: https://www.woche-des-sehens.de/infothek/zum-selbsterleben/braille-simulator

Einfühlsam geht auch anders!

Einen Nachteil haben Bücher in Brailleschrift allerdings. Sie sind, auch in Kurzschrift, sehr unhandlich. Ein Taschenbuch füllt schnell mal zwei Ordner. Das liegt unter anderem an der Größe eines Zeichens und an dem dickeren Papier. Das ist auch der Grund, weshalb ich jetzt gestehen muss, dass ich zu Beginn etwas geflunkert habe. Ich lese keine Bücher in Brailleschrift. Mit so einem Ordner lässt es sich einfach nicht so bequem auf der Couch herumlümmeln.
Meinen Einkaufszettel mit den Keksen und dem Tee, den schreibe ich aber tatsächlich immer in Brailleschrift. In diesem Fall haben die Pünktchen nämlich einen echten Vorteil: sie lassen sich wegkratzen. Also sind die Kekse im Einkaufswagen, kratze ich sie von der Einkaufsliste. So behalte ich immer den Überblick und vergesse nichts.

Wenn ich in Geschichten eintauche, dann greife ich auf Hörbücher zurück. Nur was hätte ich über Hörbücher schon spannendes schreiben können. Die sind inzwischen ja absolut kein Nischenprodukt mehr. Aber einen kleinen Tipp habe ich in Sachen Hörbücher zum Abschluss vielleicht noch. Du siehst selbst nicht gut, oder Du kennst jemanden: Blinde und sehbehinderte Menschen können bei Blindenhörbüchereien kostenlos Hörbücher ausleihen. Aber auch Zeitschriften und Wochenzeitungen bekommt man dort.

So, nun bleibt mir nur noch, dir eine gute Zeit mit vielen tollen Büchern zu wünschen; und wenn Du noch Fragen hast - zur Brailleschrift oder den Blindenhörbüchereien, dann schreib mir einfach in den Kommentaren. Gerne darfst Du mir dort auch Lesetipps hinterlassen!

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Kaum sind wir aus den Sommerferien zurück, stehen die Herbstferien vor der Tür. Ja, hört das denn nie auf? Nein!

Natürlich besteht nicht das gesamte Leben aus Ferien, und auch wenn die Koffer mal für ein paar Wochen in die Ecke wandern, so dreht sich das Leben fröhlich weiter. Auch im Alltag gibt es genügend Wege zu bereisen und Grenzen zu überwinden.

Bereits in meinem letzten Beitrag, Sommerzeit ist Reisezeit, habe ich Dich dazu eingeladen, gedanklich mit mir durch den Alltag zu reisen, verschiedene Barrieren kennen zu lernen und bestenfalls zu überwinden. Ich hoffe Du hast die Stiefel geschnürt, denn es gibt noch jede Menge zu entdecken.

Der Weg ist das Ziel!

Los, tauchen wir ein, in das Getümmel dieser Straße.

Beginnen wir mit einer Situation, die Dir inzwischen nicht mehr so fremd sein dürfte: das Überqueren einer Straße.
Hier gibt es sogar Ampeln, nur leider ohne akustische oder tastbare Signalgeber für blinde und sehbehinderte Menschen. Schade, es hätte so einfach sein können!

Die Farben rot und grün spielen nicht nur bei der Ampel eine wichtige Rolle. Menschen mit einer Rot-Grün-Sehschwäche - übrigens die häufigste Farbfehlsichtigkeit - können hiervon ein Liedchen singen. Da sie die Farben rot und grün nicht auseinanderhalten können, ist es ihnen nicht möglich, beispielsweise Schilder, wie das Supermarktschild im Suchbild zu erkennen.

Da, noch ein Schild. Dieses Mal nicht in rot und grün gehalten, aber verstehst Du, worauf es hinweist?
Für Menschen mit Sprach- und Lernschwierigkeiten ist "Grundstücksverkehrsgenehmigungsbehörde" wirklich nicht verständlich. Das geht auch kürzer und einfacher!

Um keine Genickstarre zu bekommen, wenden wir unseren Blick nun mal in Richtung Boden. Eine solch geriffelte Linie entlang des Fußwegs hast Du sicher schon mal gesehen … vielleicht hast Du auch schon mal darauf gestanden. Das sind so genannte Bodenleitplatten. Sie helfen blinden und sehbeeinträchtigten Menschen bei der Orientierung im Straßenverkehr, indem sie auf Richtungswechsel, Verzweigungen oder auch auf Haltestellen hinweisen. Leider finden wir hier nur auf einer Straßenseite ein solches Leitsystem. Dieses wird nun auch noch von einem Haltestellenschild und einem Mülleimer verstellt. Nicht schön … gar nicht schön.
Stell Dir vor Du machst die Augen zu und orientierst Dich an den Bodenleitplatten. Auuuuaaa! Klar, wenn Dir der Mülleimer gegen das Schienbein oder das Schild gegen die Nase knallt - und das wird es - dann tut das wirklich weh!

Bleiben wir noch kurz stehen. Stopp! Natürlich neben den Bodenleitplatten!
So kann ich noch auf einen weiteren Punkt an der Haltestelle hinweisen. Es gibt sie noch immer: Haltestellen ohne dynamische Anzeigen oder Lautsprecher, die über den Linienplan und aktuelle Änderungen informieren ... bestenfalls in leichter und verständlicher Sprache!

Puh, ganz schön viele Barrieren hier. Ich glaube, wir suchen uns langsam mal ein schönes Café, um uns etwas auszuruhen. Dafür müssen wir jedoch über die Straße, und auch ohne Ampel wird es nicht gerade einfacher … siehst Du das dunkelrote Auto? Es hat genau am abgeflachten Bordstein geparkt. Damit versperrt es uns mit Rollstuhl und Rollator den Weg. Wir müssen also wieder ein ganzes Stück zurück.

Auf dem Weg zurück, kommen wir noch einmal an der Behörde, dem grauen Gebäude vorbei. Hier kann ich noch auf eine weitere Barriere hinweisen: die Treppe.
Inwiefern die Treppe für Rollstuhlfahrer, aber auch für Familien mit Kinderwagen eine Barriere darstellt, ist womöglich allen klar. Hier haben wir aber noch ein weiteres Problem: Menschen mit vermindertem Kontrastsehen erkennen die Stufen nicht. Daher sollten sich Stufen durch eine auffällige Markierung vom Boden abheben. Ein bisschen Farbe, das heißt ein gelber Randstreifen, wäre hier nicht nur ein schöner Farbtupfer, sondern sehr hilfreich!

So, jetzt aber wirklich genug. Ich kann keine Barrieren mehr sehen. Hahaha.
Zu früh gefreut … möglicherweise ist da doch noch eine … nein, keine Stufen ins Café, keine zu schmale Tür, durch die der Rollstuhl nicht passt. Nein, wir werden auch hier, wie beim Supermarkt, darauf hingewiesen, dass Hunden der Zutritt verboten ist. Mein Lieschen ist ja aber nicht irgendein Hund. Lieschen ist ein ganz besonderer Hund, ein Ausnahmehund. So wie mein Lieschen frisst … Quatsch, ich meine Lieschen ist ein Blindenführhund! Ja und, Hund ist Hund. Nicht ganz: Auch wenn es einigen Inhabern von Supermärkten, Lebensmittelgeschäften oder Restaurants nicht bekannt ist, laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist Blinden- und Assistenzhunden entsprechend des Diskriminierungsverbotes der Zutritt zu Verkaufsräumen gestattet.
Nach etwas Aufklärung ist nun also auch uns, samt Lieschen, der Zutritt ins Café möglich. Keine Stufen halten uns auf. Geschafft!

Ankommen ist auch ganz schön!

Das Thema Barrierefreiheit ist viel zu umfangreich, um es auf unserer kleinen Reise umfassend zu erkunden. Ich hoffe jedoch, Du kannst einige neue Eindrücke für dich mitnehmen. So beispielsweise, dass das sperrige Thema Barrierefreiheit im Alltag auch manchmal durch Kleinigkeiten und ein wenig Aufmerksamkeit erreicht werden kann … und zwar für vielmehr Menschen, als man zunächst glauben mag. Es braucht keine Behinderung, um von Barrieren behindert zu werden. Treppen beispielsweise erschweren Familien mit Kinderwagen den Alltag erheblich; und schwere Sprache macht ihn auch nicht leichter. Denken wir an Bürokratendeutsch - da hilft es auch nicht unbedingt Muttersprachler zu sein.

Der Weg ist das Ziel, aber ankommen ist auch ganz schön!
Komm gut in und durch den Oktober. Ende des Monats liest Du wieder von mir. Natürlich freue ich mich aber auch in der Zwischenzeit über deine Erfahrungen, Fragen und Wünsche für weitere Beiträge in den Kommentaren!