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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!?

 

Verschwitzte, durchtrainierte Männerkörper - genau das interessiert mich, interessiert mich nicht, interessiert mich. Welche Bilder ich nun auch immer erzeugt haben mag - nein, das interessiert mich wirklich nicht, jedenfalls nicht beim Handball oder Fußball. Das Spiel hingegen interessiert mich schon. Ich mag den Kampf ums nächste Tor, die Atmosphäre in der Arena und auch zuhause fiebere ich mit, wenn es um Punkte, die Europa- oder gar Weltmeisterschaft geht. So habe ich auch in diesem Monat mit den Herren der deutschen Nationalmannschaft bei der Handball WM mitgefiebert. Dank der akustischen Bildbeschreibung oder auch Live-Audiodeskription ein echtes Erlebnis!

 

Die Stimme aus dem Nichts

Wer schon einmal ausversehen über die Fernbedienung des Fernsehers den Tonkanal gewechselt hat, weiß worüber ich hier schreibe. Dem ist sie nämlich schon begegnet, die Stimme aus dem Nichts. Man nennt dies auch akustische Bildbeschreibung oder Audiodeskription.

Immer mehr Filme werden inzwischen mit Audiodeskription gesendet. Nicht nur im Fernsehen, auch im Kino kann man über eine App auf dem Smartphone immer häufiger der akustischen Bildbeschreibung lauschen.

Zugegeben, bei Filmen verzichte ich gerne auf die Audiodeskription. Ich finde, dass auch durch Schweigen oder alleine die Hintergrundgeräusche viel vermittelt wird. Mir persönlich geht durch die Stimme aus dem Nichts ein wenig die Atmosphäre des Films verloren. Dies ist jedoch mein ganz eigenes Empfinden und ich nehme damit bewusst in Kauf, dass mir das ein oder andere im Film auch entgeht. Bei Sportübertragungen oder in der Arena selbst bin ich hingegen ein großer Fan von Live-Audiodeskription.

 

Spannend, spannender, Sport mit live-Audiodeskription

Schon als Kind ging ich mit meinem Vater ins Stadion oder verfolgte die Spiele vor der Flimmerkiste. Als die Bilder vor meinem Auge immer mehr verschwommen, sank die Spannungskurve rapide. Ich entdeckte die Radioübertragung für mich

Im vergangenen Jahr erlebte ich dann erstmals in der Arena in Leipzig ein Handballspiel mit Live-Audiodeskription. Alleine die Atmosphäre in der Arena ist ein Besuch wert, doch mit dem Knopf im Ohr und den großartigen Blindenreportern vor Ort verfolgte ich vor meinem inneren Auge jeden Spielzug.

Dank der Live-Audiodeskription in der Arena oder auch bei Sportübertragungen am heimischen Fernseher weiß ich inzwischen genau welcher Spieler den Ball hat, diesen verspielt oder durch welch großartige Parade des Torhüters ein Tor verhindert wurde - und dann geht alles ganz schnell: Tooooor!

All diese Informationen in kürzester Zeit in Worte zu fassen, das ist die hohe Kunst der Live-Audiodeskription!

 

Ob beim Sport, im Kino, auch im Theater oder vor dem heimischen Fernseher gibt es immer häufiger das Angebot der akustischen Bildbeschreibung. Ich finde, dies ist eine großartige Entwicklung.

Während der Handball WM vor wenigen Tagen erlebte ich jedoch einen kleinen Dämpfer.

Sorry, ich muss am Ende dieses Beitrags noch einmal zurückkommen auf die verschwitzten, durchtrainierten Männerkörper. Liebe ARD, wenn ich mich hierfür interessiere, dann wähle ich andere Formate als eine Sportübertragung. Die Beschreibung der Haarfarbe, Frisur und wem wann genau die verschwitzten Haare ins Gesicht hängen, das ist nicht im Sinne des Erfinders der Audiodeskription. Viel mehr Spannung gibt’s hier auf die Ohren:

Youtube Link AWO-Passgenau T_OHR

Danke an AWO-PASSGENAU / T_OHR für das Video!

 

Über Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen zum Thema Audiodeskription in den Kommentaren freue ich mich sehr!

 

Mehr Meer oder Ostseh

 

Die Sonne brennt seit Wochen vom Himmel und selbst nachts kühlt es kaum mehr ab. Da kommt man schon mal auf solch einen geistreichen Titel. Aber tatsächlich geht es in diesem Beitrag um die Ostsee, genauer um meinen ersten Kurztrip alleine mit meinem Blindenführhund Lisa.

Mein Urlaub ist für September bereits gebucht, daher war dieser Kurztrip übers Wochenende nicht geplant. Bis September ist es aber noch so lange hin. Ich sehne mich nach einer kleinen Auszeit, Sonne und Salz auf der Haut und am Montag habe ich frei. Also los geht's!

Zugegeben, ganz so lässig bin ich diesen spontanen Kurztrip nicht angegangen, denn auch wenn dies nun wirklich nicht meine erste Reise war, so war es dennoch eine Premiere. Bisher hatte ich mich immer spätestens am Urlaubsort mit Familie, Freunden oder einer Reisegruppe getroffen. Aber ich hatte diesen Plan alleine an die Ostsee zu fahren vorsorglich schon so vielen Leuten erzählt, dass ich kaum mehr zurück konnte. Letzte Rettung: im Hotel ist kein Zimmer mehr frei, schließlich ist Hauptsaison.

Montagabend, ich höre das Freizeichen und rechne nicht wirklich damit, dass noch ein Hotelmitarbeiter abnimmt. Das ging schon mal schief. Das Zimmer von Freitag bis Montag ist nun also reserviert.

Meine Bedenken?

Was soll schon passieren, der Zug weiß wohin er muss. Ich muss mich nur reinsetzen und ich habe eine Umsteigehilfe beantragt. Na gut, für Büchen gab es keine Umsteigehilfe, aber in gut 20 Minuten sollte ich mich ja wohl durchfragen können. Dass der Zugbegleiter mit einem blinden Fahrgast überfordert war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen. Dank einer Verspätung von gut 30 Minuten hatte ich dann aber mehr als genügend Zeit.

Auch bezüglich des Hotels hatte ich keine großen Bedenken. Ich habe mich für ein AURA-Hotel entschieden. AURA-Hotels sind speziell auf die Bedürfnisse ihrer blinden und sehbehinderten Gäste eingerichtet. Die Zimmernummern sind taktil erfassbar, die Willkommens-Mappe auf dem Zimmer mit allen wichtigen Informationen liegt unter anderem in Brailleschrift aus, und am Buffet sind die Mitarbeiter des Hauses behilflich. Auch begleitete Ausflüge werden angeboten - diesbezüglich war es aber im Vorfeld sehr schwierig Informationen zu bekommen, und genau hier lagen meine größten Bedenken. Was, wenn ich nun zwei Tage im Hotel sitze. So schön das Hotel auch sein mag mit seinem Garten und den lauschigen Sitzplätzen, meine freien Tage möchte ich nicht im Hotel verbringen.

Aber gut, was hatte ich zu verlieren? Selbst wenn es so käme, wenn ich es nicht ausprobiere, weiß ich es nicht.

Und so war es dann wirklich: Großartig!

Dank meinem Blindenführhund Lisa, einer super Navigations-App und zahlreichen lustigen, netten und hilfsbereiten Begegnungen war dieser erste Kurztrip alleine ein voller Erfolg.

Schon beim Umsteigen in Büchen traf ich die ersten hilfsbereiten Mitreisenden, und das zog sich wie ein roter Faden durch die weiteren Tage. Auch am Hundestrand hatte ich das Gefühl, dass alle mit nach Lieschen schauten, und mit zwei netten Frauen ging's nach dem Badespaß noch in die Strandbar.

Den Weg zum Hundestrand, unweit vom Hotel, zeigte mir eine Hotelmitarbeiterin. Die einzige Herausforderung auf diesem Weg bestand darin, die Abzweigung von der Strandpromenade zum Hotel zu finden, ansonsten ging es ja auf der Promenade immer nur gerade aus. Für die richtige Abzweigung hatte ich Lieschen und um noch entspannter sein zu können, hatte ich mir am Vorabend der Reise noch eine Navigations-App geleistet. Diese App wurde gemeinsam mit blinden Menschen entwickelt und bisher hörte ich nur Gutes. Zurecht!

Bei einer kleinen Pause ließen wir uns auf der Seebrücke den Wind um die Nase wehen und meine neue App sagte mir, welche Cafes, Restaurants, Hotels, Sehenswürdigkeiten etc. sich in meiner Nähren Umgebung befinden. Ich suchte mir ein Café aus, das laut seiner Homepage bereits Udo Lindenberg und Franz Beckenbauer zu Gast hatte. Da durften Lieschen und ich ja wohl nicht fehlen. Also Navi neu eingestellt und los ging's.

Ab ging's auch nach Travemünde. Ich hatte am Samstagvormittag noch die Gelegenheit an einem begleiteten Ausflug des Hotels zur Travemünder Woche teilzunehmen. So konnte ich in zwei Tagen Ostsee diesen Ausflug, etwa 13 km auf der Strandpromenade, drei Mal Hundestrand, ein Café-Besuch und absolute Entspannung genießen.

Auf der Nordmole in Travemünde mit Segelbooten im Hintergrund
Nordmole in Travemünde 2018

Dies war garantiert nicht meine letzte Reise alleine mit Hund. Hast Du ähnliche Erfahrungen oder Tipps für Reiseziele, die sich für einen Kurztrip eignen, dann freue ich mich über einen Kommentar!