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 Freiheit, Spontanität und Datenschutz

 

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, und es ist noch nicht einmal Frühling. Es ist Ende Februar und während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich im Café, nein ich sitze vor dem Café und genieße strahlenden Sonnenschein. Ob das mit den knapp 20° Celsius nun gut oder richtig ist, so Ende Februar, das sei mal dahingestellt. Schön ist es aber schon!

 

Gefühl von Freiheit

Ja, es ist schön, so mit offener Jacke in der Sonne zu sitzen und sich den warmen Wind um die Nase wehen zu lassen. Das alleine ist es jedoch nicht, was bei mir das Gefühl von Freiheit hervorruft. Vielmehr ist es die Tatsache, dass ich meinem Bedürfnis danach in der Sonne zu sitzen so spontan nachgehen konnte - und das ist nicht selbstverständlich. Abgesehen davon, dass auch ich an verschiedene Termine und Verpflichtungen gebunden bin und mich deshalb nicht immer rund um die Uhr nach Belieben in der Sonne, im Café oder Park herumtreiben kann; Spontanität und Blindheit kriegt man nicht immer so einfach unter einen Hut.

Klar, in meinem gewohnten Umfeld bewege ich mich weitestgehend selbstständig. Als ich vor knapp zwölf Jahren nach Halle zog, absolvierte ich ein sogenanntes Orientierungs- und Mobilitätstraining. Dabei habe ich die für mich wichtigsten Wege gelernt - wo genau befindet sich das Café, der Bäcker, die Straßenbahnhaltestelle und woran kann ich mich auf dem Weg dorthin orientieren. In den Folgejahren kamen immer neue Wege hinzu und so wurde mein Halle immer größer, wenngleich es noch immer verhältnismäßig klein ist. Hin und wieder kann es sogar passieren, dass mein Halle auch wieder in sich zusammenschrumpft. Beispielsweise wenn mal wieder eine Baustelle den Weg versperrt und ich nicht hindurch oder darum herum finde. Dann können sich meine Stadtgrenzen ganz schnell auch wieder verschieben. Glücklicherweise habe ich meinen Blindenführhund Lisa. Sie findet Wege, die mir früher mit dem Blindenstock verborgen blieben.

Das Gefühl von Freiheit, die Mobilität, die es mir ermöglicht spontan ein Café aufzusuchen oder einen Spaziergang in der Sonne zu machen, habe ich ganz sicher meinem Lieschen zu verdanken. Lieschen in Kombination mit einer speziell für blinde Menschen entwickelte Navigations-App ist insbesondere in mir fremden Umgebungen noch besser als das Gefühl von Sonne auf der Haut. Freiheit!

Die Blindheit lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren. Natürlich stoße ich auch hin und wieder an meine Grenzen. Glücklicherweise gibt es für solche Situationen inzwischen einige tolle Angebote. So bieten beispielsweise verschiedene Verkehrsunternehmen einen Begleitservice an, häufig sogar von Tür zu Tür. Nicht nur mobilitätseingeschränkte Menschen, auch Kinder können so sicher zu einem Wunschort begleitet werden. Diese Hilfeleistung muss natürlich angemeldet werden, am besten einige Tage im Voraus. Gut, das ist dann nicht sehr spontan, aber hilfreich allemal.

 

Grenzen der Freiheit

… und so kann es dann laufen. Erst vergangenes Wochenende war ich in einer mir fremden Stadt zu Besuch und hatte einen Tagesausflug in der Umgebung geplant. Einziger Knackpunkt stellte der Umstieg an einer U-Bahnstation dar. Zwar würde ich mich nicht als sehr ängstlich beschreiben, doch sobald Gleise in der Nähe sind bin ich nicht mehr ganz so entspannt. Hinzu kommt, dass ich als Kleinstadtpflanze - sorry Halle - mit der U-Bahn nicht sehr vertraut bin. Also habe ich mir im Internet die Telefonnummer des Begleitservices der Verkehrsgesellschaft in eben dieser Stadt rausgesucht. Mit bedauern erklärte mir der nette Man am anderen Ende des Telefons, dass ich zunächst ein Formular ausfüllen müsste. Sie müssten ja Daten von mir speichern - Datenschutz! Dieses Formular muss per Post zur Verkehrsgesellschaft geschickt werden und erst dann, nach etwa zwei Wochen, kann ich eine Hilfeleistung anmelden. Zwar weiß ich nach über zwanzig Jahren Blindheit, dass viele Unternehmungen mit etwas vorausschauender Organisation verbunden sind, so lange im Voraus habe ich dann aber doch nicht geplant. Also umplanen, Umweg über den Hauptbahnhof und dank Umsteigehilfe durch die Bahnhofsmission hat dann doch noch alles geklappt - und meine Daten sind auch geschützt!

 

Auch bei der Deutschen Bahn sind Leistungen des Mobilitätsservices zum 01. Februar wieder unter einer dicken Eisschicht verschwunden. Hilfeleistungen beim Ein-, Aus- und Umstieg werden hier künftig auch wieder abenteuerlicher, und das alles während wir 10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention feiern - Inklusion, Teilhabe und Selbstbestimmung. Happy Birthday Gefühl der Freiheit!

 

Hast Du noch Fragen, Kritik oder Anregungen zu diesem Beitrag? Über einen Austausch freue ich mich sehr!

 

 

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Hund sucht Zebra

 

Stopp, ich möchte keine falschen Erwartungen wecken. Dies ist keine Kontaktanzeige. Ich möchte meinen Stinki nicht loswerden. Vielmehr ist es eine kleine Liebeserklärung und ein Einblick was so ein Blindenführhund alles kann - schließlich war am 10. Oktober Welthundetag.

 

Lisa, Lieschen, Stinki oder Stinker habe ich schon in anderen Beiträgen erwähnt. Klar, sie ist ja auch meist an meiner Seite. Daher wird es auch Zeit einmal genauer zu schreiben, wie das Leben mit ihr so aussieht. Kurz und knapp: fröhlich und verfressen.

Links im Bild steht ein Engel aus Holz. Rechts daneben liegt Lisa und schaut ind die Kamera. Sie hat ihren Hundeblick aufgesetzt
Der Schein trügt, der Engel ist links im Bild.

 

Lisa ist ein schokobrauner Labrador. Damit ist klar, in unserem Haushalt spielt die Nahrungsaufnahme eine wichtige Rolle. Entsprechend ihrer Rasse springt sie aber auch in jede Pfütze und nach einer Abkühlung im Brunnen oder See wird dann aus Lisa Stinker. Aber dies ist ja keine Kontaktanzeige, daher komme ich nun besser zu dem, was sie als Blindenführhund auszeichnet.

 

Lisas Ausbildung begann, wie bei den meisten Blindenführhunden, mit einem Jahr und dauerte ca. sechs Monate. In dieser Zeit lernen die Vierbeiner eine Menge.

 

Hindernisse anzeigen und umgehen

Blindenführhunde lernen in der Ausbildung Hindernisse anzuzeigen und zu umgehen. Das Besondere dabei ist, dass sie nicht nur das als Hindernis erkennen, was ihnen selbst im Weg steht, sondern vor allem auch für denjenigen problematisch werden kann, den sie führen. Das heißt einen Ast, der auf einer Höhe von 1,50 Metern in den Weg ragt, unterläuft ein Hund lässig. Ich hätte diesen Ast jedoch im Gesicht. Noch unangenehmer wird es, wenn man den Spiegel eines LKWs oder ein Verkehrsschild küsst.

Mit einem Blindenstock bekommt man nur die Hindernisse mit, die am Boden lauern. In der Zeit vor Lisa habe ich daher auch immer gerne mal Autos unterlaufen. Je nach Geschwindigkeit, mit der ich so unterwegs war, habe ich mir dann den Stock mehr oder weniger heftig in den Bauch gerammt. Das soll nicht heißen, dass ich mit dem Stock nicht zurechtkam. Vor Lisa war ich 15 Jahre mit Stock unterwegs und kam ohne größere Unfälle überall an, doch ein Blindenstock kann eben vieles nicht, was ich heute an Lisa schätze. Aber daran musste ich mich auch erst einmal gewöhnen. In der ersten Zeit haben wir uns regelmäßig verlaufen, da ich mit Lisa auf ganz andere Signale achten muss als mit Stock. Orientierte ich mich beispielsweise früher an einem Fahrradständer, gegen den ich zuverlässig mit dem Stock stieß, so erkennt Lisa diesen als Hindernis und umläuft ihn.

 

"Umwege erweitern die Ortskenntnis."
(Kurt Tucholsky)

Kommandos wie "Such Zebra!"

Blindenführhunde lernen während der Ausbildung aber auch eine ganze Menge an Kommandos. Dazu gehören Richtungsangaben wie links, rechts oder gerade aus. Auf ein entsprechendes Kommando hin führt sie mich auch zur Treppe, Bus- oder Straßenbahnhaltestelle, zur Ampel, zu einem Aufzug; und wer mich einmal mit Lisa in der Stadt trifft und ich sage "Such Zebra!", dann sind wir nicht auf Safari oder Droge, sondern dann soll sie mich zu einem Zebrastreifen führen.

 

All dies erleichtert den Alltag enorm. Wie ich immer sage: Als blinder Mensch hüpfe ich locker eine Treppe rauf oder runter. Ich muss nur wissen, wo die Treppe ist. Seitdem ich Lisa nun auch noch die Kommandos "Such Bäcker!" und "Such Döner!" beigebracht habe, ist die Treppe als Alternative zum Aufzug noch deutlich wichtiger geworden.

 

Weitere Beispiele aus dem Alltag

Gerade wenn man mit Stock unterwegs ist, ist man noch stärker als mit Hund auf das Gehör angewiesen. Wenn in einer engen Gasse nun aber ein Fahrzeug mit laufendem Motor steht, wird es schwierig. In einem solchen Fall gebe ich Lisa das Kommando "Such Weg!" und wenn es einen sicheren Weg an dem Fahrzeug vorbei gibt, dann führt sie mich daran vorbei.

Auch bestimmte Witterungsverhältnisse wie starker Regen können das Überqueren einer Straße deutlich erschweren, da ich möglicherweise ein heranfahrendes Auto erst zu spät höre. In diesen Fällen habe ich die Sicherheit, dass Lisa bei drohender Gefahr mein Kommando, beispielsweise die Straße zu überqueren, verweigern würde.

 

Entgegen häufiger Annahmen kann ein Hund, auch ein ausgebildeter Blindenführhund jedoch weder rot noch grün an der Ampel unterscheiden. Den Verkehr deuten oder auf das Tonsignal der Ampel hören, und dann das entsprechende Kommando zu geben, ist mein Job. Natürlich zählt es auch zu meinem Job, für einen entsprechenden Ausgleich, sprich Freizeit zu sorgen.

Abschließend eine Bitte!

Sicher soll der Blindenführhund, während er im Führgeschirr ist, andere Hunde ignorieren und sich auch sonst nicht ablenken lassen. Doch so ein Hund ist auch nur ein Mensch, und wenn Hundebesitzer meinen, ihr Hund soll mal eben "Hallo" sagen, dann muss ich ihn bzw. sie leider enttäuschen. Lisa kann wirklich viel, aber in all den Jahren, die ich nun mit ihr lebe hat sie noch nie "Hallo" gesagt. Sie kann es einfach nicht! Wirklich!

Lisa im Führgeschirr mit Kenndecke. Auf der Kenndecke steht: Nicht Ablenken, bin im Dienst!
Lisa bei der Arbeit, im Dienst!

Ebenso sollte man dem Blindenführhund seinen Job nicht unnötig erschweren bzw. Hund und Mensch am anderen Ende in Gefahr bringen, indem man den süßen Vierbeiner anspricht, streichelt oder Blickkontakt aufnimmt. Mich hingegen darf man gerne ansprechen, mich auf Gefahren aufmerksam machen oder mir Hilfe anbieten.

 

Über Fragen oder Ergänzungen zu den vierbeinigen Begleitern in den Kommentaren freue ich mich!

Mehr Meer oder Ostseh

 

Die Sonne brennt seit Wochen vom Himmel und selbst nachts kühlt es kaum mehr ab. Da kommt man schon mal auf solch einen geistreichen Titel. Aber tatsächlich geht es in diesem Beitrag um die Ostsee, genauer um meinen ersten Kurztrip alleine mit meinem Blindenführhund Lisa.

Mein Urlaub ist für September bereits gebucht, daher war dieser Kurztrip übers Wochenende nicht geplant. Bis September ist es aber noch so lange hin. Ich sehne mich nach einer kleinen Auszeit, Sonne und Salz auf der Haut und am Montag habe ich frei. Also los geht's!

Zugegeben, ganz so lässig bin ich diesen spontanen Kurztrip nicht angegangen, denn auch wenn dies nun wirklich nicht meine erste Reise war, so war es dennoch eine Premiere. Bisher hatte ich mich immer spätestens am Urlaubsort mit Familie, Freunden oder einer Reisegruppe getroffen. Aber ich hatte diesen Plan alleine an die Ostsee zu fahren vorsorglich schon so vielen Leuten erzählt, dass ich kaum mehr zurück konnte. Letzte Rettung: im Hotel ist kein Zimmer mehr frei, schließlich ist Hauptsaison.

Montagabend, ich höre das Freizeichen und rechne nicht wirklich damit, dass noch ein Hotelmitarbeiter abnimmt. Das ging schon mal schief. Das Zimmer von Freitag bis Montag ist nun also reserviert.

Meine Bedenken?

Was soll schon passieren, der Zug weiß wohin er muss. Ich muss mich nur reinsetzen und ich habe eine Umsteigehilfe beantragt. Na gut, für Büchen gab es keine Umsteigehilfe, aber in gut 20 Minuten sollte ich mich ja wohl durchfragen können. Dass der Zugbegleiter mit einem blinden Fahrgast überfordert war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen. Dank einer Verspätung von gut 30 Minuten hatte ich dann aber mehr als genügend Zeit.

Auch bezüglich des Hotels hatte ich keine großen Bedenken. Ich habe mich für ein AURA-Hotel entschieden. AURA-Hotels sind speziell auf die Bedürfnisse ihrer blinden und sehbehinderten Gäste eingerichtet. Die Zimmernummern sind taktil erfassbar, die Willkommens-Mappe auf dem Zimmer mit allen wichtigen Informationen liegt unter anderem in Brailleschrift aus, und am Buffet sind die Mitarbeiter des Hauses behilflich. Auch begleitete Ausflüge werden angeboten - diesbezüglich war es aber im Vorfeld sehr schwierig Informationen zu bekommen, und genau hier lagen meine größten Bedenken. Was, wenn ich nun zwei Tage im Hotel sitze. So schön das Hotel auch sein mag mit seinem Garten und den lauschigen Sitzplätzen, meine freien Tage möchte ich nicht im Hotel verbringen.

Aber gut, was hatte ich zu verlieren? Selbst wenn es so käme, wenn ich es nicht ausprobiere, weiß ich es nicht.

Und so war es dann wirklich: Großartig!

Dank meinem Blindenführhund Lisa, einer super Navigations-App und zahlreichen lustigen, netten und hilfsbereiten Begegnungen war dieser erste Kurztrip alleine ein voller Erfolg.

Schon beim Umsteigen in Büchen traf ich die ersten hilfsbereiten Mitreisenden, und das zog sich wie ein roter Faden durch die weiteren Tage. Auch am Hundestrand hatte ich das Gefühl, dass alle mit nach Lieschen schauten, und mit zwei netten Frauen ging's nach dem Badespaß noch in die Strandbar.

Den Weg zum Hundestrand, unweit vom Hotel, zeigte mir eine Hotelmitarbeiterin. Die einzige Herausforderung auf diesem Weg bestand darin, die Abzweigung von der Strandpromenade zum Hotel zu finden, ansonsten ging es ja auf der Promenade immer nur gerade aus. Für die richtige Abzweigung hatte ich Lieschen und um noch entspannter sein zu können, hatte ich mir am Vorabend der Reise noch eine Navigations-App geleistet. Diese App wurde gemeinsam mit blinden Menschen entwickelt und bisher hörte ich nur Gutes. Zurecht!

Bei einer kleinen Pause ließen wir uns auf der Seebrücke den Wind um die Nase wehen und meine neue App sagte mir, welche Cafes, Restaurants, Hotels, Sehenswürdigkeiten etc. sich in meiner Nähren Umgebung befinden. Ich suchte mir ein Café aus, das laut seiner Homepage bereits Udo Lindenberg und Franz Beckenbauer zu Gast hatte. Da durften Lieschen und ich ja wohl nicht fehlen. Also Navi neu eingestellt und los ging's.

Ab ging's auch nach Travemünde. Ich hatte am Samstagvormittag noch die Gelegenheit an einem begleiteten Ausflug des Hotels zur Travemünder Woche teilzunehmen. So konnte ich in zwei Tagen Ostsee diesen Ausflug, etwa 13 km auf der Strandpromenade, drei Mal Hundestrand, ein Café-Besuch und absolute Entspannung genießen.

Auf der Nordmole in Travemünde mit Segelbooten im Hintergrund
Nordmole in Travemünde 2018

Dies war garantiert nicht meine letzte Reise alleine mit Hund. Hast Du ähnliche Erfahrungen oder Tipps für Reiseziele, die sich für einen Kurztrip eignen, dann freue ich mich über einen Kommentar!

 

 

Zum Glück blind!

 

Bitte was? Ja, ich habe meinen Blog tatsächlich "Zum Glück blind!" genannt. Hierfür gibt es mindestens zwei Gründe:

  1. Ohne die Blindheit wäre ich heute nicht die, die ich bin.
  2. Auch mein Leben ist sehr bunt - vielleicht auch deshalb, weil ich nichts sehe.

Ich könnte auch schreiben: Ich bin blind, und das ist gut so!

Ohne die Erblindung wäre mein Leben sicher anders verlaufen. Ich hätte eine andere Schule besucht, vielleicht wäre ich nie nach Kiel oder Halle (Saale) gezogen, hätte vermutlich andere Menschen kennen gelernt, vielleicht auch andere Fähigkeiten und andere Interessen entwickelt. Es wäre sicher einiges anders gekommen. Aber das ist unerheblich, denn so wie es ist, ist es schön!

Ja, auch wenn man nichts sieht, kann das Leben sehr schön und bunt sein. Rosarot und himmelblau ist es aber natürlich nicht. Wie jeder andere Mensch sehe auch ich mich den verschiedensten Herausforderungen gegenüber. Manchmal stehe ich mir selbst im Weg, und dann sind da auch immer wieder diverse Barrieren, die ein selbstbestimmtes Leben erschweren. Auch wenn ich beste Voraussetzungen habe und sie daher meist sportlich nehme, sind es eben genau diese Barrieren, die mich deutlich unglücklicher machen als die Tatsache, dass ich nichts sehe.

Okay, die Blindheit stand auf meinem Wunschzettel auch nicht ganz oben, aber sie gehört zu mir und sie hat mich geprägt - doch nicht nur die Blindheit!

Ich in Kürze

Portraitaufnahme auf dem Halleschen Marktplatz mit meinem Blindenführhund Lisa
Foto: Patrick Bablo

Ich bin zwar mit 1,58 Metern Körpergröße nicht sehr groß geraten, wer ich bin, das lässt sich aber unmöglich in Kürze beschreiben. Die einzelnen Blogeinträge, die ich künftig hier veröffentlichen werde, werden nach und nach ein Bild von mir zeichnen. Für heute erst einmal ein paar Eckdaten.

Name: Nadine Wettstein;

Geburtsjahr und -ort: 1978 in Heidelberg;

Sehbehinderung: Drastische Sehverschlechterung mit 13 Jahren, Erblindung mit 18 Jahren;

Studium: Ökotrophologie (Haushalts- und Ernährungswissenschaften) in Kiel;

Berufserfahrung: Wiss. Mitarbeiterin in den Agrar- und Ernährungswissenschaften;

Heutiger Beruf/Berufung: Freie Dozentin und Beraterin für Inklusion;

Interessen: Lesen, Reisen, Sport und Kultur, ehrenamtliches Engagement, Natur und Lisa …

 

Erläuterung: Lisa, Lieschen, Stinki oder Stinker ist meist an meiner Seite. Auch wenn man es vielleicht nicht immer glauben mag, sie ist ein ausgebildeter Blindenführhund und ein verrücktes Huhn. Sie liebt Bananen, weshalb vielleicht auch ein Äffchen in ihr steckt. Alles in allem ist sie ein großer Schatz und ich werde mit Sicherheit noch häufiger von ihr schreiben.

 

Die Tatsache, dass ich nichts sehen kann - wirklich gar nichts - beeinflusst die Art und Weise wie ich lebe, wie ich meinen Hobbies nachgehe, wie ich meinen Beruf ausübe. Es ändert aber nichts daran, dass ich meinen Beruf mit Leidenschaft ausübe und mit viel Freude meinen Interessen nachgehe - und genau hierüber werde ich monatlich in diesem Blog schreiben. Auch wenn einmal etwas nicht funktioniert, werde ich dies hier nicht verschweigen. Wer allerdings mehr über Augenerkrankungen lesen möchte, der ist hier falsch. Zum einen fehlt mir hierzu das medizinische Fachwissen, zum anderen gibt es aus meiner Sicht deutlich spannenderes: das Leben!

 

Hast Du schon erste Themenwünsche für diesen Blog, kannst Du mir diese sehr gerne in den Kommentaren mitteilen.