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Gefühlvoll in die graue Jahreszeit – Oder: Fühlen, hören, eintauchen

Wir stecken wieder einmal mitten drin, im November-Grau. Nebel vermindert die Sicht und das nass-kalte Wetter schlägt aufs Gemüt. Stopp! Kein Grund zu verzweifeln, ich weiß da was … und in Sachen schlechter Sicht kenne ich mich ja schließlich aus. Also pass auf: wir holen uns jetzt beide eine Tasse mit einem duftenden Heißgetränk und wahlweise auch ein oder zwei Kekse. Damit ab auf die Couch, unter eine kuschelige Decke und gaaanz tief eintauchen in eine berührende Geschichte.

Schon als Kind liebte ich Geschichten. Von Astrid Lindgrens "Kinder von Bullerbü" und "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler konnte ich nicht genug bekommen; na klar, und "Die kleine Raupe Nimmersatt". Diese Bücher stehen noch heute in meinem Regal. Schöne Kindheitserinnerungen, die mich sehr berührt haben.

Einfühlsam dank Louis!

Die Begeisterung, sich in fantastische Geschichten einzufühlen, in historische Romane oder in Krimis einzutauchen, ist mir geblieben. Nur heute fühle ich noch einmal auf eine ganz andere Art: ich ertaste sie Punkt für Punkt. Daher nennen wir diese Schrift auch Punktschrift, Blindenschrift oder nach ihrem Entwickler Louis Braille: Brailleschrift.

Sicher hast Du solch eine Ansammlung von Punkten schon einmal gesehen und dich vermutlich gefragt, wie man daraus eine Geschichte oder sonst einen sinnvollen Text ertasten kann. Geht, dank Louis Braille. Aus nur sechs Punkten entwickelte er ein System, mit dem sich jeder Buchstabe des Alphabets und noch viele weitere Zeichen darstellen lassen. Stell dir einfach einen Eierkarton für sechs Eier vor. Du hast jetzt also jeweils zwei Eier nebeneinander und drei Eier untereinander. Je nachdem welche Eier du nun entnimmst, erzeugst du einen Buchstaben, ein Satzzeichen oder auch eine Kombination mehrerer Buchstaben. Es gibt nämlich nicht die eine Blindenschrift. Wir unterscheiden eine Basisschrift, eine Vollschrift, eine Kurzschrift, Computerbraille oder beispielsweise auch eine Schrift für Mathe, eine Notenschrift für Musiknoten ... nur Sesambrötchen folgen keiner Systematik und liefern daher auch leider keine Kurzgeschichten.

Ich will es nicht zu kompliziert machen. Daher nur so viel: In der Basisschrift bildet jede Kombination aus den zuvor genannten sechs Eiern, also Punkten, einen Buchstaben ab. Die meisten Bücher in Brailleschrift sind jedoch in Kurzschrift gedruckt. Hier werden Lautgruppen, Silben oder auch ganze Worte durch nur ein oder zwei Zeichen dargestellt. Das Wort Blindenschrift beispielsweise besteht aus nur fünf Zeichen. Damit erhöht sich dann auch, jedenfalls nach intensivem Üben, die Lesegeschwindigkeit. Klar, fünf Zeichen sind mit dem Finger schneller erfasst als 14 Zeichen - so viele Buchstaben hat das Wort Blindenschrift nämlich.

Wenn Du einmal sehen möchtest, wie dein Name in Brailleschrift aussieht, dann schau mal hier: https://www.woche-des-sehens.de/infothek/zum-selbsterleben/braille-simulator

Einfühlsam geht auch anders!

Einen Nachteil haben Bücher in Brailleschrift allerdings. Sie sind, auch in Kurzschrift, sehr unhandlich. Ein Taschenbuch füllt schnell mal zwei Ordner. Das liegt unter anderem an der Größe eines Zeichens und an dem dickeren Papier. Das ist auch der Grund, weshalb ich jetzt gestehen muss, dass ich zu Beginn etwas geflunkert habe. Ich lese keine Bücher in Brailleschrift. Mit so einem Ordner lässt es sich einfach nicht so bequem auf der Couch herumlümmeln.
Meinen Einkaufszettel mit den Keksen und dem Tee, den schreibe ich aber tatsächlich immer in Brailleschrift. In diesem Fall haben die Pünktchen nämlich einen echten Vorteil: sie lassen sich wegkratzen. Also sind die Kekse im Einkaufswagen, kratze ich sie von der Einkaufsliste. So behalte ich immer den Überblick und vergesse nichts.

Wenn ich in Geschichten eintauche, dann greife ich auf Hörbücher zurück. Nur was hätte ich über Hörbücher schon spannendes schreiben können. Die sind inzwischen ja absolut kein Nischenprodukt mehr. Aber einen kleinen Tipp habe ich in Sachen Hörbücher zum Abschluss vielleicht noch. Du siehst selbst nicht gut, oder Du kennst jemanden: Blinde und sehbehinderte Menschen können bei Blindenhörbüchereien kostenlos Hörbücher ausleihen. Aber auch Zeitschriften und Wochenzeitungen bekommt man dort.

So, nun bleibt mir nur noch, dir eine gute Zeit mit vielen tollen Büchern zu wünschen; und wenn Du noch Fragen hast - zur Brailleschrift oder den Blindenhörbüchereien, dann schreib mir einfach in den Kommentaren. Gerne darfst Du mir dort auch Lesetipps hinterlassen!

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