Hund sucht Zebra

Hund sucht Zebra

 

Stopp, ich möchte keine falschen Erwartungen wecken. Dies ist keine Kontaktanzeige. Ich möchte meinen Stinki nicht loswerden. Vielmehr ist es eine kleine Liebeserklärung und ein Einblick was so ein Blindenführhund alles kann - schließlich war am 10. Oktober Welthundetag.

 

Lisa, Lieschen, Stinki oder Stinker habe ich schon in anderen Beiträgen erwähnt. Klar, sie ist ja auch meist an meiner Seite. Daher wird es auch Zeit einmal genauer zu schreiben, wie das Leben mit ihr so aussieht. Kurz und knapp: fröhlich und verfressen.

Links im Bild steht ein Engel aus Holz. Rechts daneben liegt Lisa und schaut ind die Kamera. Sie hat ihren Hundeblick aufgesetzt
Der Schein trügt, der Engel ist links im Bild.

 

Lisa ist ein schokobrauner Labrador. Damit ist klar, in unserem Haushalt spielt die Nahrungsaufnahme eine wichtige Rolle. Entsprechend ihrer Rasse springt sie aber auch in jede Pfütze und nach einer Abkühlung im Brunnen oder See wird dann aus Lisa Stinker. Aber dies ist ja keine Kontaktanzeige, daher komme ich nun besser zu dem, was sie als Blindenführhund auszeichnet.

 

Lisas Ausbildung begann, wie bei den meisten Blindenführhunden, mit einem Jahr und dauerte ca. sechs Monate. In dieser Zeit lernen die Vierbeiner eine Menge.

 

Hindernisse anzeigen und umgehen

Blindenführhunde lernen in der Ausbildung Hindernisse anzuzeigen und zu umgehen. Das Besondere dabei ist, dass sie nicht nur das als Hindernis erkennen, was ihnen selbst im Weg steht, sondern vor allem auch für denjenigen problematisch werden kann, den sie führen. Das heißt einen Ast, der auf einer Höhe von 1,50 Metern in den Weg ragt, unterläuft ein Hund lässig. Ich hätte diesen Ast jedoch im Gesicht. Noch unangenehmer wird es, wenn man den Spiegel eines LKWs oder ein Verkehrsschild küsst.

Mit einem Blindenstock bekommt man nur die Hindernisse mit, die am Boden lauern. In der Zeit vor Lisa habe ich daher auch immer gerne mal Autos unterlaufen. Je nach Geschwindigkeit, mit der ich so unterwegs war, habe ich mir dann den Stock mehr oder weniger heftig in den Bauch gerammt. Das soll nicht heißen, dass ich mit dem Stock nicht zurechtkam. Vor Lisa war ich 15 Jahre mit Stock unterwegs und kam ohne größere Unfälle überall an, doch ein Blindenstock kann eben vieles nicht, was ich heute an Lisa schätze. Aber daran musste ich mich auch erst einmal gewöhnen. In der ersten Zeit haben wir uns regelmäßig verlaufen, da ich mit Lisa auf ganz andere Signale achten muss als mit Stock. Orientierte ich mich beispielsweise früher an einem Fahrradständer, gegen den ich zuverlässig mit dem Stock stieß, so erkennt Lisa diesen als Hindernis und umläuft ihn.

 

"Umwege erweitern die Ortskenntnis."
(Kurt Tucholsky)

Kommandos wie "Such Zebra!"

Blindenführhunde lernen während der Ausbildung aber auch eine ganze Menge an Kommandos. Dazu gehören Richtungsangaben wie links, rechts oder gerade aus. Auf ein entsprechendes Kommando hin führt sie mich auch zur Treppe, Bus- oder Straßenbahnhaltestelle, zur Ampel, zu einem Aufzug; und wer mich einmal mit Lisa in der Stadt trifft und ich sage "Such Zebra!", dann sind wir nicht auf Safari oder Droge, sondern dann soll sie mich zu einem Zebrastreifen führen.

 

All dies erleichtert den Alltag enorm. Wie ich immer sage: Als blinder Mensch hüpfe ich locker eine Treppe rauf oder runter. Ich muss nur wissen, wo die Treppe ist. Seitdem ich Lisa nun auch noch die Kommandos "Such Bäcker!" und "Such Döner!" beigebracht habe, ist die Treppe als Alternative zum Aufzug noch deutlich wichtiger geworden.

 

Weitere Beispiele aus dem Alltag

Gerade wenn man mit Stock unterwegs ist, ist man noch stärker als mit Hund auf das Gehör angewiesen. Wenn in einer engen Gasse nun aber ein Fahrzeug mit laufendem Motor steht, wird es schwierig. In einem solchen Fall gebe ich Lisa das Kommando "Such Weg!" und wenn es einen sicheren Weg an dem Fahrzeug vorbei gibt, dann führt sie mich daran vorbei.

Auch bestimmte Witterungsverhältnisse wie starker Regen können das Überqueren einer Straße deutlich erschweren, da ich möglicherweise ein heranfahrendes Auto erst zu spät höre. In diesen Fällen habe ich die Sicherheit, dass Lisa bei drohender Gefahr mein Kommando, beispielsweise die Straße zu überqueren, verweigern würde.

 

Entgegen häufiger Annahmen kann ein Hund, auch ein ausgebildeter Blindenführhund jedoch weder rot noch grün an der Ampel unterscheiden. Den Verkehr deuten oder auf das Tonsignal der Ampel hören, und dann das entsprechende Kommando zu geben, ist mein Job. Natürlich zählt es auch zu meinem Job, für einen entsprechenden Ausgleich, sprich Freizeit zu sorgen.

Abschließend eine Bitte!

Sicher soll der Blindenführhund, während er im Führgeschirr ist, andere Hunde ignorieren und sich auch sonst nicht ablenken lassen. Doch so ein Hund ist auch nur ein Mensch, und wenn Hundebesitzer meinen, ihr Hund soll mal eben "Hallo" sagen, dann muss ich ihn bzw. sie leider enttäuschen. Lisa kann wirklich viel, aber in all den Jahren, die ich nun mit ihr lebe hat sie noch nie "Hallo" gesagt. Sie kann es einfach nicht! Wirklich!

Lisa im Führgeschirr mit Kenndecke. Auf der Kenndecke steht: Nicht Ablenken, bin im Dienst!
Lisa bei der Arbeit, im Dienst!

Ebenso sollte man dem Blindenführhund seinen Job nicht unnötig erschweren bzw. Hund und Mensch am anderen Ende in Gefahr bringen, indem man den süßen Vierbeiner anspricht, streichelt oder Blickkontakt aufnimmt. Mich hingegen darf man gerne ansprechen, mich auf Gefahren aufmerksam machen oder mir Hilfe anbieten.

 

Über Fragen oder Ergänzungen zu den vierbeinigen Begleitern in den Kommentaren freue ich mich!

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